Rundgang bei Schmuddelwetter

Endlich ein freier Tag, die Kinder stehen bereits drängelnd an der Tür, der Herd ist aus und die Katzen sind versorgt – kurzum: Sie haben sich auf Ihren schon lange geplanten Wilhelmabesuch gefreut und es kann eigentlich losgehen. Doch ausgerechnet jetzt spielt das Wetter nicht mehr mit: Wind, Regen, Graupel, Schnee? Kein Grund zur Panik: Die Schmuddelwetter-Tour knüpft die kürzesten Wege zwischen den überdachten Sehenswürdigkeiten der Wilhelma – auf dass Sie trotz miesen Klimas möglichst trocken und warm von Attraktion zu Attraktion gelangen.

Wegpunkt 1: Die historischen Gewächshäuser

In den historischen Gewächshäusern können Sie vielfältige Wunderwerke der Pflanzenwelt entdecken. Nach unterschiedlichen klimatischen Ansprüchen geordnet finden Sie unter anderem Kakteen, Bromelien, Orchideen und zahlreiche andere tropische und subtropische Pflanzen. Viele der tropischen Gewächse blühen unabhängig von der jeweiligen Jahreszeit draußen – so lässt sich auch mitten im deutschen Winter vom Urlaub im Süden träumen. In einem weiteren Haus, genannt Wechselschauhaus, locken je nach Jahreszeit unterschiedliche Blütenhöhepunkte: im März/April die Hochblüte der Azaleen, im Sommer die Fuchsienblüte von Mai bis September und in den Wintermonaten von Dezember bis Februar die Kamelien.

Etwa in der Mitte der Gewächshausreihe befindet sich zudem der schöne große Wintergarten mit Palmen, Bananen, saisonal wechselnden Blütenpflanzen und dem Koi-Teich. Je nach Saison finden hier Sonderausstellungen statt etwa mit Zitrusfrüchten, Chilipflanzen oder Christsternen.

Nebenan entsteht derzeit der Neubau des Kleinsäuger- und Vogelhauses. Künftig wird dieses Gebäude auch die Heimat der Fleisch fressenden Pflanzen sein. Sie werden dort erstmals das ganze Jahr über zu sehen sein.

Wegpunkt 2: Das Aquarium und Terrarium

Durch den Maurischen Wandelgang erreichen Sie quasi trockenen Fußes das 1967 eingeweihte Aquarien- und Terrarienhaus. Hier können Sie eine kleine Weltreise durch die Unterwassergefilde der Erde unternehmen: von der Nordsee an den Neckar, vom Mittelmeer an den Kongo, vom Mekong ans Great Barrier-Riff. Große und kleine, farbenfrohe und gut getarnte Wasserbewohner begleiten Ihren Weg. Und im Zentrum des Aquarienhauses liegt der Terrarienbereich mit Krokodilhalle, in dem Leistenkrokodil, Australienkrokodil, Schildkröten, Schlangen und so manche skurrile Echse leben.

 

Wegpunkt 3: Der Maurische Garten

Wiederum über den (fast komplett überdachten) Wandelgang gelangen Sie ins Maurische Landhaus mit seinen angrenzenden historischen Gewächshäusern – der Regenschirm kommt dabei kaum zum Einsatz. Der erste Gewächshausteil ist den Kakteen gewidmet, speziell den großen Säulenkakteen, den Feigenkakteen und den ursprünglichsten Kakteen, den Pereskien. Dieser Bereich ist der Sonora-Wüste nachempfunden.

Im anschließenden tropischen Nutzpflanzenhaus wachsen Papaya, Jackfrucht, Zimt, Karambole, Süßkartoffel, Baumwolle, Kakao, Vanille, Kaffee, Pfeffer und vieles mehr. Bei den meisten Gewächsen ist es gar nicht leicht zu erraten, welches Nahrungs- oder Genussmittel daraus hergestellt wird. Der Mittelteil beherbergt tropische Vögel und aktuell die Ausstellung "Silent Forest" zum Dilemma, dass immer mehr Singvögel in Asien gefangen werden und der Wald zu verstummen droht.

Früher waren von hieraus die Nachttiere zu erreichen. Die 1962 als erste ihrer Art in Europa eröffnete Nachttierabteilung ist jedoch baufällig und daher geschlossen. Sie soll an anderer Stelle der Wilhelma neu eingerichtet werden.

Das anschließende Warmhaus ist den tropischen Farnen gewidmet, und im zweiten Kuppelhaus wachsen riesige Baumfarne und urtümliche Nadelholzgewächse.

Wegpunkt 4: Das Giraffenhaus

Falls Sie möglichst gar nicht durch den Regen gehen wollen, kürzen Sie ab zu Punkt 8: Zum "alten Menschenaffenhaus", wo inzwischen die südamerikanischen Tiere zu sehen sind, müssen Sie nur wenige Schritte vom überdachten Wandelgang des Maurischen Gartens gehen. Haben Sie einen Schirm dabei, lohnt aber der Weg hinauf zu den Giraffen und später den Affen. Im Giraffenhaus stoßen Sie neben einer Gruppe langhalsiger Netzgiraffen auch auf kurzhalsige Urwaldgiraffen – die Okapis. Erst gegen 1900 wurden diese geheimnisvollen Tiere in den Regenwäldern des Kongo entdeckt und wissenschaftlich beschrieben: Tafeln im Haus informieren auch über die Geschichte ihrer Entdeckung. Außerdem leben in dem Haus weitere Bewohner Afrikas: Kongopfauen, Kurzohrrüsselspringer und die Von-der-Decken-Tokos mit ihren markanten Schnäbeln.

Wegpunkt 5: Die neue Menschenaffenanlage

Nur ein kurzes Stück Weg führt Sie vom Giraffenhaus zum unteren Eingang der im Mai 2013 eröffneten Menschenaffenanlage. Drei Arten sind hier zu sehen: Bonobos, Gorillas und Orang-Utans. In den Bau floss das neueste Wissen über diese Tiere und ihre Bedürfnisse ebenso ein wie die Erfahrungen der Wilhelma aus 55 Jahren Menschenaffenhaltung. In der neuen Anlage finden die Tiere viel Platz, verfügen erstmals auch über große Außenanlagen und in allen Gehegen über noch mehr Beschäftigungsangebote, wie zum Beispiel Futterlabyrinthe. Aber auch den Besuchern ist mehr geboten: Sie können die Tiere hier nicht nur sehen, sondern dank der offenen Gitterdächer auch hören und riechen. Außerdem gibt es vielfältige Wege, sich über die Menschenaffen, ihre Eigenheiten, aber auch ihre Situation im Freiland schlau zu machen, durch große Schautafeln, interaktive Bildschirme, Quiz-Stationen und ein Besucher-Kino. Außerdem laden nachgebildete Affenschädel und -hände zum Anfassen und Größenvergleich ein.

Wegpunkt 6: Das Dickhäuterrevier

Verlassen Sie das Menschenaffenhaus wieder am unteren Eingang und wenden Sie sich nach links, hier finden Sie die zwei Häuser des Dickhäuterreviers. Ganz links im früheren Flusspferdhaus sind die Schabrackentapire beheimatet. Die weiße Zeichnung ihres Fells erinnert an eine Pferdedecke. Wenn sie aufgeregt sind, geben sie einen Quietschlaut von sich, den Unwissende kaum diesen kräftigen, mehrere hundert Kilo schweren, Geschöpfen zuschreiben würde.

In der Mitte liegt des Gehege der Panzernashörner. Sie haben ein Außenbecken, aber auch im Dickhäuterhaus wird gebadet. Bei den Nashörner geht das recht ruhig vonstatten. Bei den Elefanten ist die Badezeit dagegen mit viel Geplansche verbunden. Ist die Badezeit vorbei, füllen friedliche Kau- und Verdauungsgeräusche das Haus.

Wegpunkt 7: Das Raubkatzenhaus

Vom Elefantenhaus bergab geht es mit einem kleinen Zwischensprint zum Raubtierhaus. Für viele Menschen sind Raubkatzen faszinierende Tiere. Doch leider sind manche Menschen vor allem von ihren Fellen begeistert, was (neben der Zerstörung der Lebensräume) die meisten Arten an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Bei den Asiatischen Löwen auf der großen Freianlage kann man beobachten, dass durchaus nicht alle Katzen wasserscheu sind. Aber auch die anderen Katzen ziehen sich bei Schmuddelwetter nicht immer in die trockenen Innengehege zurück: Also ruhig auch in die Außengehege schauen!

Wegpunkt 8: Das alte Menschenaffenhaus

Das "alte Menschenaffenhaus" hat einen neuen Namen verdient. Nach der Eröffnung der neuen viel größeren Anlage für Gorillas, Bonobos und Orang-Utans im oberen Parkbereich dient das Gebäude derzeit als Südamerikahaus. Das nebenan stehende ehemalige Jungtieraufzuchthaus ist baufällig. Dort lebten zuletzt vor allem Tiere aus Südamerika, wie Krallenaffen, Faultiere, Goldagutis und verschiedene Vogelarten.

Deshalb springen jetzt im "alten Menschenaffenhaus", wo früher mit den Gorillas die größten Affen der Welt zu Hause waren, mit den Zwergseidenäffchen die allerkleinsten Affen umher. Dafür musste einiges umgebaut werden, um die Gitter "zwergensicher" zu machen. Zudem hat die die Fliesenoptik der früheren Gehege durch Stämme, Äste, Sträucher und Mulch Dschungelcharakter erhalten.

Außer den "Südamerikanern" sind dort mit den Drills und einem Roten Vari zwei Tierarten aus Afrika zu Gast.

Wegpunkt 9: Das Jungtieraufzuchthaus (geschlossen)

Das frühere Jungtieraufzuchthaus musste aus dem Rundgang herausgenommen werden. Das betagte Gebäude wegen Baufälligkeit geschlossen. Ein neues Konzept für den Standort ist in Arbeit.

Die meisten der Tiere, die zuletzt im früheren Jungtieraufzuchthaus untergebracht waren, sind nun im benachbarten "alten Menschenaffenhaus" einquartiert: verschiedene Krallenaffen, wie die Springtamarine, Zwergseidenäffchen und Kaiserschnurrbarttamarine, aber auch Faultiere sind dort zu sehen. Neben den aus Südamerika stammenden Arten sind ebenso die Drills ("Waldpaviane") als auch der Rote Vari als Afrikaner umgezogen.

Wegpunkt 10: Das Amazonienhaus

Als Nächstes führt der Weg zu einem mit großem technischem Aufwand errichteten Gebäude, dem Amazonienhaus. Brillenträger aufgepasst: Hier bleibt bei kühlen Außentemperaturen kein Glas trocken! Bei Dschungelklima mit beständig rund 28 Grad Celsius und 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ist es hier in der kalten Jahreszeit schön warm und – bei den zuletzt sehr heißen Sommern – auch zur Jahresmitte im Verhältnis noch angenehm. 2000 Pflanzen schaffen hier die Illusion, sich im Regenwald zu befinden: etwa Mahagoni- und Florettseidenbaum, Palmen, Araceen, Bromelien, Orchideen, Mangroven sowie tropische Nutzpflanzen von Maniok und Kakao bis Bananen. Wie in der Natur gibt auch der „Stuttgarter Regenwald“ seine Geheimnisse nicht auf den ersten Blick preis: Um Affen, Vögel, Reptilien und Amphibien zu entdecken, muss man im Pflanzendickicht der Gehege schon genau hinschauen. Rund zehn Vogelarten fliegen frei im Haus und sind oft nur durch ihre Rufe zu orten.

Eine große Panoramascheibe erlaubt den Blick in die Unterwasserwelt des Amazonas: Kaimane, Schildkröten und Fische bevölkern die beiden miteinander verbundenen Bassins, die insgesamt 100.000 Liter Wasser beinhalten.

Wegpunkt 11: Das Insektarium

Dieses Gebäude mit seinen krabbelnden und fliegenden Bewohnern entführt Sie ins Reich der Gliederfüßer. Die Ansicht von Insekten, Spinnen und Tausendfüßer sorgen bei so manchem Besucher für leichtes Kribbeln im Nacken. Wer mag, kann hier viel über diese faszinierenden Tiere erfahren: über ihre Vielfalt, ihre Sinnesleistungen und Anpassungen, über ihren Nutzen und Schaden für den Menschen und vieles mehr.

Sympathieträger unter den leider oft wenig beliebten Insekten sind die Schmetterlinge. In der eigens für sie eingerichteten Halle können Sie den bunten Gauklern zuschauen und im Puppenkasten vielleicht sogar erleben, wie ein Falter schlüpft. Außerdem hängen hier Flugfüchse von den Ästen. Bei Lichte betrachtet sind die dämmerungsaktiven Fledertiere mit ihren Knopfaugen und fuchsartigen Schnäuzchen durchaus niedlich.

Wegpunkt 12: Das Wilhelma-Restaurant

Sollten Sie trotz allem nass geworden sein und frösteln, können Sie sich nun im Wilhelma-Restaurant bis 18 Uhr (im Winter bis 17 Uhr) bei guter Verpflegung und heißen Getränken noch etwas aufwärmen und wieder trocknen.