Männlicher Aurorafalter_Foto: E.Rennwald

Neues Land für Schmetterlinge

80 Prozent unserer heimischen Tagfalterarten stehen heute auf der Roten Liste der bedrohten Arten, weil ihr Lebensraum schwindet, ihnen Umweltgifte, Klimawandel und Monokulturen das Leben schwer machen. Auch in den Städten gibt es trotz Parkanlagen und Grünflächen zu wenig Lebensräume, die für die bunten Falter geeignet sind. 

Deshalb wollen die Wilhelma und die Naturschutzorganisation BUND, die letztes Jahr die Naturschutzinitiative "Schmetterlingsland Baden-Württemberg" ins Leben gerufen hat, jetzt Stuttgart für Schmetterlinge wieder lebenswerter machen. Und mit ihrem Kooperationsprojekt zeigen, dass Artenschutz vor der eigenen Haustür beginnt, erfolgreich sein kann und daher hoffentlich auch in anderen Städten und Gemeinden Schule machen wird. Auf sieben ausgewählten Projektflächen - u.a. im Rosensteinpark und Schlossgarten - wird der Wilhelma-Fachbereich Parkpflege die Wiesenpflege künftig so gestalten, dass sich die Eignung dieser Wiesen als Lebensraum für Schmetterlinge verbessert.

Und wie sieht eine schmetterlingsfreundliche Flächenpflege aus?

Jede der ausgewählten Flächen wurde mit einer Hinweis-Tafel versehen und anfangs wie bisher gepflegt. Parallel dazu begann der Biologe Erwin Rennwald im Jahr 2010, die hier bereits vorhandenen Schmetterlingsarten zu erfassen: Insgesamt 17 Tagfalterarten fand er, bis zu elf oder zwölf Arten pro Fläche. Das hört sich zunächst nicht schlecht an, doch ist diese Zahl angesichts von 130 in Baden-Württemberg heimischen Tagfalterarten durchaus ausbaufähig.

Vor allem das Angebot an Blüten und an Nahrungspflanzen für die Raupen gilt es daher zu steigern, damit die Schmetterlinge sich hier in allen Stadien und das ganze Jahr über wohl fühlen und entwickeln können. Dazu wird beispielsweise der Einsatz von Jauche und Dünger eingestellt, das Mulchen durch Mähen ersetzt, der Mahd-Rhythmus an die Bedürfnisse der Tagfalter angepasst - etwa statt zwölf nur noch drei Mal im Jahr geschnitten - und die Vielfalt an Wiesenblumen, die Raupen und Falter als Nahrungspflanzen brauchen - durch zusätzliche Aussaaten erhöht. Außerdem lässt man auch zwischen den Mahden kleine Insel- und Randbereiche stehen: als Nektarinseln und Refugien, damit sich die Larven auch über den Winter ungestört entwickeln können. Um zu sehen, ob und wie die Maßnahmen wirken, werden die Schmetterlingsarten weiterhin regelmäßig erfasst, alle Veränderungen in Artenzahl und -zusammensetzung dokumentiert.

Einen durchaus gewollten Nebeneffekt hat das Ganze außerdem: Alle diese Maßnahmen kommen auch vielen anderen Insekten sowie Vögeln, Kleinsäugern und Fledermäusen zugute.

Weitere Infos zum Schmetterlingsprojekt finden Sie außerdem hier

 

Daten und Fakten zum Projekt:

Projektbeteiligte:

  • BUND Landesverband Baden-Württemberg e. V.  
  • Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart, Fachbereich Parkpflege
  • Erwin Rennwald, Biologe, Rheinstetten

Die Lage der Projektflächen / Schmetterlingswiesen in Stuttgart: 

  • Württembergische Grabkapelle Rotenberg
  • Wilhelma, bei den Geiervolieren
  • Rosensteinpark Mitte
  • Rosensteinpart Alte Meierei
  • Unterer Schlossgarten West
  • Unterer Schlossgarten Ost
  • Polizeipräsidium Hahnemannstraße

Bislang erfasste Tagfalterarten:

Aurorafalter, C-Falter, Faulbaum-Bläuling, Großes Ochsenauge, Grünader-Weißling, Hauhechel-Bläuling, Kleiner Feuerfalter, Kleiner Fuchs, Kleiner Kohl-Weißling, Kurzschwänziger Bläuling, Mauerfuchs, Schachbrett, Schwalbenschwanz,      Tagpfauenauge, Tintenfleck-Weißling, Waldbrettspiel, Weißklee-Gelbling.

Darüber hinaus während des Projekts erwartete Schmetterlingsarten:

Admiral, Brauner Feuerfalter, Distelfalter, Großer Fuchs, Großer Kohl-Weißling, Kaisermantel, Kleiner Perlmutterfalter, Kleines Wiesenvögelchen, Landkärtchen, Magerrasen-Perlmutterfalter, Postillion, Schlüsselblumen-Würfelfalter, Schornsteinfeger, Weißbindiges Wiesenvögelchen, Zitronenfalter, verschiedene Zipfelfalter, Dickkopffalter und Bläulinge.