Maurischer Garten mit Wandelgang

Zwischen dem Maurischen Landhaus und dem heutigen Aquarium liegt das Herzstück der Wilhelma und für viele der schönste Platz im Park: der Maurische Garten. Die historischen Leuchter, Kandelaber genannt, die große Freitreppe, die vielen Skulpturen und die landschaftsarchitektonische Anordnung der Wege, Brunnen und Pflanzen machen ihn zu einem echten Glanzstück.

Zum Maurischen Garten gehören auch zwei kleinere Pavillons, die einfach der "nördliche und der südliche Pavillon" genannt werden. Diese Eckpavillons wurden 1844 als Aussichtspunkte in den Maurischen Garten erbaut und zwischen 1987 und 2006 komplett restauriert. Gemeinsam mit dem Wandelgang stellen sie die Begrenzung des Maurischen Gartens dar. 

Auch der Wandelgang mit seinen Säulen, Deckenverzierungen und Ornamenten ist eine Zierde für sich - mit einem besonderen Plus bei Schmuddelwetter: Denn der Wandelgang erlaubt, den historischen Garten trockenen Fußes zu umrunden. 

Die Entdeckung: "Flüstergalerien" im Wandelgang

Doch in diesem Wandelgang steckt noch viel mehr Spannendes, wie ein Besucher im Jahr 2010 herausgefunden hat: der Physiker Uwe Laun. Er entdeckte, dass der Wandelgang ein seltenes akustisches Phänomen beherbergt: eine Flüstergalerie. Genauer gesagt handelt es sich sogar um vier Flüstergalerien, denn jede der vier äußeren Kurven des Wandelgangs weist die akustische Besonderheit auf, nach der Flüstergalerien benannt sind. Denn diese bezeichnen architektonische Räume, in denen sich zwei Personen nahezu im Flüsterton über eine größere Entfernung hinweg unterhalten und trotzdem laut und deutlich verstehen können. Nur sehr wenige Bauwerke der Welt weisen eine solche „Flüstergalerie“ auf. Zu finden ist eine Spielart davon, ein Flüstergewölbe, zum Beispiel in der St. Paul's Cathedral in London

Im Wandelgang des Maurischen Gartens funktioniert die ungewöhnlich weite Schallübertragung besonders gut in der Kurve zwischen dem Durchlass beim Aquarienhaus-Eingang und dem Durchlass in Richtung Menschen­affenhaus sowie in der Kurve genau gegenüber. Hier können sich zwei Gesprächspartner in  normaler Lautstärke über eine Distanz von ungefähr 30 bis 40 Metern hinweg unterhalten und dennoch jedes Wort verstehen. Am besten klappt die Verständigung, wenn sich je ein Gesprächspartner auf eine Bank direkt bei den Durchgängen setzt, der Sprecher in Richtung Wand spricht und der Zuhörer sein Ohr ebenfalls in der Nähe der Mauer platziert. Neben einer dieser Bänke, am Durchgang zum Aquarienhaus, weist die Besucher künftig auch eine Info-Tafel auf die Flüstergalerie hin.

Und wie lässt sich das Phänomen physikalisch erklären? Die fachmännische Antwort gibt der Entdecker der Flüstergalerie und Akustik-Experte Uwe Laun: „Durch die gewölbte Form der Galerie können sich die Schallwellen nicht gleichmäßig in der Umgebung verteilen und damit abschwächen. Der größte Teil des Schalls wird statt dessen an der gewölbten Wand der Galerie entlang geleitet und auch mithilfe von Decke und Boden immer wieder so reflektiert, dass er die Galerie seitlich nicht verlassen kann. So überwindet der Schall mit geringerem Streuverlust als üblich eine größere Distanz als üblich.“

Übrigens: Am besten lassen sich die akustischen Eigenheiten der Flüstergalerie testen, wenn es  im Wandelgang ruhig ist, ihn also nur wenige Besucher während des „Sound-Checks“ bevölkern, also früh am Morgen, am Spätnachmittag und gegen Abend sowie natürlich in den ruhigeren Jahreszeiten im Herbst und Winter.

 

 

 

 

Weiterführende Themen: