In den aneinander gereihten historischen Gewächshäusern gleich hinter dem Haupteingang werden den Besuchern auf engstem Raum die Wunderwerke der Pflanzenwelt präsentiert. Nach unterschiedlichen klimatischen Ansprüchen geordnet können unter anderem Kakteen, Bromelien, Orchideen und zahlreiche andere tropische und subtropische Pflanzen bewundert werden. Manch einen werden die Pflanzen vielleicht an den Urlaub erinnern. Dieses botanische Paradies lädt wirklich zum Träumen ein. Höhepunkt im Frühling ist die Azaleenblüte im März/April: Tausende von Blüten bedecken dann die bis zu 160 Jahre alten Sträucher.
Im Sommer sind es die Fuchsien: Von Mai bis September können Hochstämme, Büsche und Ampelpflanzen in über 200 Arten und Sorten bewundert werden. Im Winter haben die Kamelien ihren großen Auftritt: Von Dezember bis Februar/März entwickeln die teilweise über 160 Jahre alten Pflanzen ihre Blütenpracht in allen Schattierungen von weiß über hellrosa bis dunkelrot.

Das Herz der historischen Wilhelma! Hier errichtete einst König Wilhelm I. von
Württemberg seine schwäbische Alhambra. Seinen Höhepunkt erlebt der Garten im April: Die Hochblüte der Magnolien im größten Magnolienhain Europas nördlich der Alpen. Weiße, rosafarbene und rote Blüten kontrastieren mit dem Dunkelgrün der Eiben und bieten den Besuchern ein unvergessliches Farbenspiel. Je nach Wetter ist die Blüte nur ein kurzes Schauspiel. Danach zeigen sich die alten Bäume dicht belaubt vor historischer Kulisse.
Im Zentrum des Maurischen Gartens befindet sich der Seerosenteich. Er wird beheizt und bietet mit einer Wassertemperatur zwischen 28 und 30°C optimale Bedingungen für tropische Seerosen: Dominierend sind die größten Seerosen der Welt, Victoria amazonica und Victoria cruziana, benannt nach der ehemaligen englischen Königin Victoria. Auf ihren riesigen Blättern können sie ein Gewicht von bis zu 70 kg tragen.
Am Teichrand wächst die Indischen Lotosblume. Zwischen den Seerosenblättern tummeln sich kleine Fische – hier wächst der Koi-Nachwuchs, japanische Zierkarpfen, der Wilhelma heran. Selbst im Winter entwickelt dieser Ort trotz dann Magnolien seinen ganz besonderen Reiz, vor allem, wenn die maurischen Gebäude mit Schneehäubchen bedeckt sind und die Wintersonne goldene Reflexe auf die historische Kulisse zaubert. Der Seerosenteich bietet im Winter allerdings keine Pflanzenpracht, die tropischen Seerosen können nicht im Freien überwintert werden.

Der erste Abschnitt ist den Kakteen gewidmet, speziell den großen Säulenkakteen, den Feigenkakteen und den ursprünglichsten Kakteen, den Pereskien. Im anschließenden tropischen Nutzpflanzenhaus wachsen Papaya, Jackfrucht, Zimt, Karambole, Süßkartoffel, Baumwolle, Kakao, Vanille, Kaffee, Pfeffer und vieles mehr. Bei den meisten Gewächsen ist es recht schwierig zu erraten, welches Nahrungs- oder Genussmittel daraus hergestellt wird.
Der Mittelteil beherbergt neben diversen Pflanzen auch tropische Vögel und die Nachttierabteilung. Das anschließende Warmhaus ist den tropischen Farnen gewidmet. Im zweiten Kuppelhaus wachsen riesige Baumfarne und Koniferen der Südhalbkugel.

Trotz großer Zerstörungen während des zweiten Weltkriegs besitzt die Wilhelma noch einen umfangreichen, prächtigen Altbaumbestand. Die ersten Baumpflanzungen im damals noch königlichen und der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Garten datieren aus der Zeit zwischen 1845 und 1865. Die riesigen Mammutbäume oberhalb der Anlage für Bären und Klettertiere sind beeindruckende Zeitzeugen dieser Epoche. Insgesamt stehen über 1600 Bäume in ca. 150 Arten, Varietäten und Sorten in der Wilhelma.

Hinter dem Maurischen Landhaus steigt das Gelände an. Die so genannten Subtropenterrassen gehören zu den schönsten Plätzen in der Wilhelma: In der geschützten, sonnenexponierten Lage gedeihen rund 400 südländische Gewächse das ganze Jahr über, während 400 weitere empfindlichere Arten und ein Teil der Sammlung Fleischfressender Pflanzen nur während der Sommermonate hier im Freien wachsen.
Neben den bunten und exotischen Pflanzen krakeelt in den Volieren eine ebenso bunte Vogelwelt: Vor allem die zahlreichen Papageienarten vermitteln angesichts tropischer Pflanzen und maurischer Gebäude das Gefühl, weit weg von zuhause zu sein.

Immenser technischer Aufwand ist nötig, um im Amazonienhaus einen kleinen Bergregenwald wachsen zu lassen. 2000 Pflanzen wie beispielsweise Mahagoni- und Florettseidenbaum, Palmen, Araceen, Bromelien, Orchideen, Mangroven, tropische Nutzpflanzen wie Maniok, Kakao und Bananen und viele mehr schaffen die Illusion, sich in Amazonien zu befinden. Hin und wieder blüht einer der Bäume, die Passionsblumen sorgen fast immer für Farbtupfer im Grün, an den Nutzpflanzen zeigen sich Früchte das ganze Jahr über.
Wie in der Natur gibt auch der „Stuttgarter Regenwald“ seine Geheimnisse nicht auf den ersten Blick preis: Um die Tiere im Pflanzendickicht der Gehege zu entdecken, muss man manchmal schon genau hinschauen. Viele Vögel fliegen frei im Haus und sind oft nur durch ihre Rufe zu orten. Eine riesige Scheibe erlaubt den Blick auf Kaimane, Schildkröten und Fische im Amazonas.

Vom amazonischen Regenwald aus bietet sich als Ausklang ein Schlenker durch die unteren Parkanlagen an. Die Kastanienallee oder die Lindenallee bieten schattige Plätze, der lange See mit der Damaszenerhalle lässt noch die Achse der alten Gartenanlage erkennen. Entscheiden Sie selbst, was am farbenprächtigsten ist: Frühlingsboten und Sommerflor in den Blumenrabatten, die Herbstfärbung des Laubes oder der winterlich verschneite Park? Und versäumen Sie nicht, vor dem Verlassen des Parks bei den Flamingos einen Blick auf die beiden Ginkgos zu werfen – sie zählen zu den schönsten Bäumen in der Wilhelma.
