Ratgeber rund um Wildtiere

In dieser Rubrik haben die Wilhelma-Mitarbeiter die Fragen zusammengestellt, die ihnen am häufigsten im Zusammenhang mit gefundenen Tieren oder unerwünschten Mitbewohnern gestellt werden. Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie in vielen verschiedenen Ratgebern als Buch in Büchereien oder als Infotext auf den entsprechenden Internetseiten.

Steinmarder auf dem Dachboden

Wenn es auf Ihrem Dachboden rumpelt, muss dies nicht unbedingt ein Steinmarder sein! Siebenschläfer halten sich ebenso gerne auf Dachböden auf. Um herauszufinden, wer Ihr Untermieter ist, können Sie ein rohes Hühnerei auslegen. Wenn es am nächsten Tag verschwunden ist, handelt es sich ganz sicher um einen Steinmarder. Falls Sie Nagespuren und kleine Holzstückchen am Boden finden, ist Ihr Gast wahrscheinlich ein Siebenschläfer.

In Europa leben zwei Marderarten, die sich sehr ähnlich sind – der Steinmarder und der Baummarder. Während der Baummarder die Nähe des Menschen meidet und ausschließlich in Wäldern mit altem Baumbestand lebt, hat der Steinmarder den Lebensraum „Stadt“ erobert und macht sich dort als Untermieter auf Dachböden und als „Automarder“ häufig unbeliebt.
Empfinden Sie die Gegenwart des Marders als Belästigung, sollten Sie herausfinden, an welcher Stelle der Marder den Dachboden betritt. Wenn Sie sicher sind, dass sich das Tier außerhalb des Hauses befindet, etwa am späten Abend, versperren Sie diesen Zugang. Der Marder wird dann einen anderen Schlafplatz finden. Sie brauchen aber etwas Geduld, da der Marder versuchen wird, das Hindernis weg zu schieben oder einen anderen Zugang zu suchen. Vergewissern Sie sich auch zuerst, dass sich keine jungen Marder auf Ihrem Dachboden befinden!

Der Steinmarder unterliegt dem Jagdrecht, d.h. es ist nur Personen mit spezieller Ausbildung (z.B. Jagdschein mit dem so genannten Fallensachkundenachweis) erlaubt, dieses Tier mit einer Kastenfalle zu fangen und dies auch nur von Mitte Oktober bis Ende Februar.

Steinmarder im Auto

Steinmarder sind Einzelgänger, nachtaktiv und leben territorial, d.h. jeder Marder lebt zeitlebens in einem eigenen Revier, das er gegen Artgenossen. Besonders die männlichen Tiere markieren ihr Revier auch optisch, indem sie an geeigneten Stellen Kratz- und Bissspuren hinterlassen und so ihre Artgenossen informieren, dass dieses Revier bereits besetzt ist. Besonders intensiv wird in der Nähe von Territoriumsgrenzen markiert, um den Reviernachbarn über den Verlauf der Grenze zu informieren. Kunststoff- und Gummiteile sind gut geeignet zum Absetzen von Bissspuren.

Möglicherweise steht Ihr Auto an einer Stelle in dem Revier eines Steinmarders, die er markieren möchte. Solange Ihr Auto an dieser Stelle steht, wird es als Markierstelle regelmäßig genutzt werden. Eventuell parken Sie sogar an der Grenze zweier Rüdenreviere, dann werden sich die beiden Rüden in Ihrem Auto wahre „Markierduelle“ liefern!

Sie können Ihr Auto vor weiteren Schäden am einfachsten bewahren, wenn Sie es etwas entfernt von der üblichen Stelle parken. Methoden um den Marder fernzuhalten wie das Hinterlegen von Urinsteinen, Hundehaaren oder anderen geruchs- bzw. geschmacksintensiven Stoffe noch Ultraschalltöne haben sich als wirkungslos erwiesen. Autohersteller suchen neue Wege. So haben  Mercedes und Audi ein Hochspannungsgerät entwickelt, das die 12 Volt der Autobatterie auf eine für Mensch und Tier ungefährliche Weidezaunspannung bringt und den Motorraum des Wagens unter leichten Strom setzt. Diese Spannung reicht gerade aus, um das Tier zu erschrecken und ist so ein wirksamer Schutz, ohne das Tier zu schädigen. Sie können aber auch ein größeres Stück Kaninchendraht unter dem Motorraum auf den Boden legen. Marder gehen nicht gerne über sich bewegenede Dinge.


Siebenschläfer auf dem Dachboden

Die Anwesenheit eines Siebenschläfers werden Sie hauptsächlich im Sommer bemerken, da er nur in diesen Monaten aktiv ist. Obwohl die nachtaktiven Tiere lästig werden können, richten sie im Allgemeinen keinen großen Schaden an. Die Anschaffung eines Ultraschallgerätes, das die Siebenschläfer durch hohe Töne in die Flucht schlagen soll, ist nicht unbedingt empfehlenswert, da es nicht immer dauerhaft wirkt. Wenn Sie Siebenschläfer von Ihrem Dachboden fernhalten wollen, sollten Sie herausfinden, wie das Tier auf den Dachboden gelangen konnte.
Siebenschläfer können nur Dachböden beziehen, wenn das Haus nicht vollständig abgedichtet ist, wenn also ausreichend große Schlupflöcher vorhanden sind. Wenn Sie die undichten Stellen reparieren, dürften Sie keinen Ärger mehr mit Siebenschläfern bekommen. Aber vergewissern Sie sich, dass das Tier nicht anwesend ist, und auch kein Nest mit Jungtieren vorhanden ist. Sie begehen übrigens eine Ordnungswidrigkeit, wenn Sie ein Nest mit Jungtieren an eine andere Stelle umsetzen. Außerdem ist es grundsätzlich verboten, Siebenschläfern „nachzustellen, sie anzulocken, sie zu fangen oder zu töten“(§ 13 und § 14 BArtSchV), da diese Tiere nach Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten gehören.


Fledermäuse als Untermieter

Fledermäuse sind wegen ihrer Nützlichkeit als Insektenfresser schon seit mehr als 50 Jahren gesetzlich geschützt. Dennoch werden die Fledermäuse selten. Manche Arten sind nahezu ausgestorben. So mussten alle 37 in Mitteleuropa vorkommenden Fledermausarten in die „Rote Liste der gefährdeten Tierarten“ aufgenommen werden.

Am häufigsten sind Fledermäuse direkt an Wohnhäusern zu finden. Hier beziehen sie enge Spalten unter Wandverkleidungen, in Dachüberständen, zwischen Ziegeln, Verschalung, Flachdacheinfassungen und Ähnlichem. Das Überleben von Fledermausvorkommen hängt daher sehr vom Verständnis der Hausbesitzer ab. Baumaßnahmen in Fledermausquartieren sollten Sie nicht vor Anfang September ausführen. Erst dann verlassen die Fledermäuse ihr Quartier um Winterschlaf zu halten.

Vor Beginn der Baumaßnahmen sollten Sie sich vergewissern, dass keine Fledermäuse mehr anwesend sind. Auf jeden Fall sollte das Quartier durch Einflugöffnungen, z.B. in Form eines geöffneten Giebelfensters noch zugänglich bleiben. Besonders gefährlich für Fledermäuse sind Holzschutzmittel. Wenn überhaupt nötig, sollten Sie nur fledermausverträgliche Borsalze oder pyrethroidhaltige Imprägnierungsmittel anwenden. Aber auch diese Methoden dürfen erst nach Abzug der Fledermäuse ab September in Dachstühlen zur Anwendung kommen und müssen spätestens im Februar beendet sein.

Den Winter (September-Februar) verbringen Fledermäuse im Winterschlaf. Die meisten Arten ziehen sich in frostsichere und zugluftfreie Gewölbe mit hoher Luftfeuchtigkeit zurück wie Baumhöhlen, Stollen oder Bierkeller. Während des Winterschlafes dürfen Fledermäuse nicht durch Störungen aufgeweckt werden. Beim Aufwachen verbrauchen sie sehr viel Energie und die Fettreserven reichen dann nicht mehr bis zum Frühjahr aus.
Fledermäuse besiedeln wie Vögel auch Nistkästen. Allerdings stellen diese nur einen eingeschränkten Ersatz für verloren gegangene Naturhöhlen dar, denn sie können nicht als Winterquartier dienen. Der Erhalt natürlicher Bäume ist daher von entscheidender Bedeutung.


Überwinterung von Schildkröten

Die Winterruhe gehört zum natürlichen Jahreszyklus mancher Schildkrötenarten und sollte ihnen nicht verwehrt werden. Sinkende Temperaturen und kürzere Tage mit geringerer Lichtintensität bewirken eine hormonelle Umstellung und somit die stoffwechseleigene Vorbereitung auf den Winterschlaf. Die Nahrungsaufnahme wird nach und nach eingestellt, die Verdauung schließlich ganz stillgelegt. Atmung, Herzschlag und Stoffwechselaktivitäten werden auf ein Minimum gedrosselt, die Tiere beginnen, sich einzugraben. In diesem Zustand kann eine Schildkröte bis zu einem halben Jahr überwintern.

Im Freien bereiten sich Schildkröten selbstständig auf den Winterschlaf vor und graben sich auch draußen ein. Wenn sie außerhalb des Hauses überwintern sollen, muss der Platz frostsicher und vor Mäusen, Ratten und Mardern geschützt sein. Die Dauer des Winterschlafes beträgt ein bis vier Monate, je weiter südlich das Verbreitungsgebiet desto kürzer der Winterschlaf.
Sollen die Tiere im Keller überwintern, übernimmt der Mensch die Vorbereitung: Die Schildkröten muss gebadet werden, damit sich ihr Darm entleert. Als Substrat für die Überwinterungskiste eignen sich ein Gemisch aus lockerer Erde und Laub, Rindenkompost oder ähnliches. Dieses Material darf auf keinen Fall so beschaffen sein, dass es die Nasenlöcher der Tiere verstopft. Zudem muss es den ganzen Winter über leicht feucht gehalten werden, damit die Schildkröten nicht austrocknen. Der Raum sollte abgedunkelt sein.

Für beide Methoden gilt: Nur gesunde Tiere dürfen in den Winterschlaf gebracht werden! Nach der Verabreichung von Medikamenten ist eine Pause von 6 Wochen bis zur Einwinterung einzuhalten. Nach dem Erwachen im Frühjahr sollten Sie die Schildkröten erneut baden. Wiegen Sie die Tiere vor und nach dem Winterschlaf: Gewichtsverluste weisen auf zu trockene und/oder zu warme Überwinterung hin und sind unbedingt zu vermeiden.


Vogelfindlinge

Wenn im April wieder die Brutsaison beginnt, kann es Ihnen passieren, dass Sie plötzlich einen Jungvogel entdecken, der aus dem Nest gefallen ist. Bitte lassen Sie den Jungvogel unbedingt bei seinen Eltern in der Natur.
Beobachten Sie zunächst von Weitem, ob sich die Eltern um den jungen Vogel kümmern. Wenn der Vogel verlassen bleibt, sollten Sie das Nest suchen, aus dem er gefallen ist und ihn wieder hineinsetzen. Dabei macht es dem Vogel wenig aus, wenn Sie ihn in die Hand nehmen; entgegen des verbreiteten Gerüchtes lassen die Vogeleltern ihren Zögling wegen des Fremdgeruches nicht links liegen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Jungvogel von seinen Eltern wieder angenommen und versorgt. Niemand kann dies besser als die Elterntiere selbst.

Es könnte allerdings sein, dass die Vogeleltern oder sogar die Geschwister das Jungtier aus dem Nest geworfen haben, weil es nicht gesund ist oder weil einfach kein Platz mehr für einen weiteren Vogel im Nest ist. Falls der Findling nicht angenommen wird oder das Nest nicht auffindbar ist, wenden Sie sich an das Vogelschutzzentrum. Dort erhalten Sie weitere Informationen unter www.nabu-vogelschutzzentrum.de.

Wespennester am Haus

Ängstliche oder nicht informierte Bürger, die sich durch Wespen bedroht fühlen, wenden sich immer wieder an die Feuerwehr oder an eine Schädlingsbekämpfungsfirma, um ein vermeintlich störendes Nest entfernen zu lassen. Befindet sich das Wespennest in einer kritischen Lage, genügt oft die einfache Absicherung des Nestes, z.B. durch Anbringen von Fliegendraht im Bereich von Gebäuden (zum Innenraum hin).
Falls eine Umsiedlung des Nestes unvermeidlich ist, kontaktieren Sie bitte einen Experten. Eine Umsiedlung sollen und dürfen Sie sowohl aus Gefahrengründen als auch aus gesetzlichen Gründen nicht selber machen. Eine bundesweite Datenbank von Experten finden Sie unter www.hymenoptera.de.


Wespen-/Hornissen-/Bienenstiche

Wespenstiche stellen normalerweise keine ernsthafte Gefahr für den Menschen dar. Sie sollten mit Eis gekühlt werden oder mit entsprechenden Insektencremes behandelt werden. Im Gegensatz zu Bienen verlieren Wespen beim Stechen ihren Stachel nicht. Wenn eine Wespe verschluckt wird, kann der Stich in der Speiseröhre stark anschwellen, was die Atmung behindert. In einem solchen Fall sofort einen Arzt aufsuchen und die Schwellung mit Eis kühlen! Für Menschen, die auf Wespengift allergisch reagieren, kann ein Stich allerdings lebensgefährlich werden, da Atemnot, Schweißausbruch und Schwindel möglich sind. Wenn die Allergie bekannt ist, sollten Allergiker unbedingt ein Notfallmedikament bei sich tragen. Wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie umgehend den Arzt aufsuchen und möglichst ruhig bleiben.