05.07.17

Wilhelma hilft Gorillas in Afrika: 100.000 Euro bereits gesammelt

Die Wilhelma gibt nicht nur seltenen Tierarten im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart ein Zuhause, sondern unterstützt auch Artenschutz-Projekte in den Herkunftsländern der bedrohten Arten. Einen Meilenstein hat die Wilhelma jetzt erreicht, indem sie seit 2012 für die Rettung der letzten Berggorillas in Afrika 100.000 Euro an Spendengeldern gesammelt hat. Sie sind in ein Projekt im Virunga-Nationalpark geflossen. Stefanie Reska, die in der Wilhelma die Stabsstelle für Umweltbildung und Artenschutz leitet, kennt die Lage vor Ort aus eigener Anschauung.

 

Was macht den Virungapark so besonders?

Reska: Der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ist Afrikas ältester Nationalpark und als Weltnaturerbe anerkannt. Auf der Größe von Belgien bietet er unter anderem Elefanten, Schimpansen, Okapis, aber auch unzähligen anderen Arten vielseitigen Lebensraum. Die Landschaft variiert von Savanne bis zu schneebedeckten 5000 Meter hohen Bergen. Auf den Berghängen im Südosten des Virungaparks leben gut 200 Berggorillas, das entspricht einem Viertel der gesamten Population von derzeit 880. Die Art wurde durch die Arbeit von Dian Fossey bekannt, die sich in den 1970er Jahren vehement für den Schutz der Tiere einsetzte. Nach Fosseys Tod 1985 machte der Spielfilm darüber, „Gorillas im Nebel“, Furore. Zu dem Zeitpunkt war der Gesamtbestand der Berggorillas auf unter 300 Tiere abgesunken. Inzwischen hat der Wert der Berggorillas als Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt zu einem verbesserten Schutz im gesamten Verbreitungsgebiet in Zentralafrika – DR Kongo, Ruanda und Uganda – geführt. Dennoch ist der Virungapark weiter durch Ölfirmen, denen die Schutzgebiete bei der Ausbeutung der Rohstoffe im Weg sind, und Rebellengruppen, die im Park wildern, gefährdet.

 

Warum brauchen die Einheimischen Unterstützung beim Schutz der Tiere?

Reska: Die Bevölkerung ist extrem arm und kämpft darum, jeden Tag satt zu werden. Meist fehlen den Menschen eine Ausbildung und das Wissen um ökologische Zusammenhänge. Die seit Jahrzehnten anhaltenden politischen Unruhen, die immer wieder in Bürgerkriege gipfelten, haben sie traumatisiert. Die Kongolesen setzen als Parkranger ihr Leben aufs Spiel. Ihre Arbeit ist dort gefährlicher als irgendwo sonst auf der Welt: In den vergangenen zehn Jahren sind 150 Ranger beim Schutz des Parks und seiner Tiere ermordet worden.

 

Seit wann ist die Wilhelma dort aktiv und was genau fördert sie?

Reska: Zur derselben Zeit, wie die Wilhelma ihr neues Menschenaffenhaus baute, gründete die Schweizer Tierärztin und Hundetrainerin Dr. Marlene Zähner eine Spürhundestaffel im Virungapark. Sie soll Wilderer, die durch das Auslegen von Schlingen im Regenwald dessen Tiere und damit auch die Berggorillas gefährden, dingfest machen. Da wir als Zoologischer Garten auch den Artenschutz im Lebensraum der Tiere zum Ziel haben, haben wir Anfang 2012 begonnen, die Ausbildung der Hunde und Hundeführer mit Spenden, die wir sammeln, zu unterstützen. Schon im ersten Jahr konnte die Hundestaffel dadurch ein zusätzliches Geländefahrzeug anschaffen, um ihre Mobilität im Park zu erweitern. Auch medizinische Behandlungen der Spürhunde und Ausrüstung für die Ranger haben die Spenden der Wilhelma-Besucher finanziert. 2016 wurde der Bau von zusätzlichen Stationen für die sichere Unterbringung und Versorgung der Hunde an verschiedenen Stellen im Park in Angriff genommen, um eine schnellere Reaktion etwa auf Elefantenwilderei im Zentrum des Parks zu ermöglichen. Seit 2017 unterstützen wir zudem die Umweltbildung vor Ort, unter anderem indem wir versuchen, den knapp 60 Kindern des örtlichen Waisenhauses den Schulbesuch zu finanzieren. Ohne Schulbildung ist eine Karriere als Wilderer leider sehr wahrscheinlich.

 

Sie haben das Projekt besucht. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Reska: Die Fähigkeit der Hunde, auch nach Wochen noch zielsicher der Spur eines Menschen quer durchs Gelände zu folgen, lässt einen tiefen Eindruck zurück. Auch das Engagement der Hundeführer für ihre Tiere rührt mich. Obwohl Hundehaltung im Kongo kaum Tradition hat und die Menschen nicht mit Hunden als Haustieren aufgewachsen sind, sieht man, wie sehr sie den Tieren, mit denen sie ein Team bilden, inzwischen zugetan sind. Der Einsatz für die Natur des Parks, der oft lebensgefährlich ist, wird als Dienst am eigenen Land wahrgenommen, die Risiken akzeptiert. Auch ein Besuch bei den wildlebenden Berggorillas selbst ist eine Erfahrung, die tief beglückt. Bei meinem letzten Aufenthalt Ende April saßen wir in einer Gruppe mit vier Silberrücken, die völlig unbeeindruckt von unserer Gegenwart ihren Mittagsschlaf hielten, währen die Gorillakinder der Gruppe vor uns Purzelbäume schlugen. Diese mächtigen Menschenaffen so nah und gleichzeitig so unbedrohlich erleben zu können, motiviert umso mehr, deren Schutz vor skrupellosen Wilderern unbedingt zu unterstützen.

 

Was kann der Wilhelma-Besucher beitragen?

Reska: Touristen können in den Park und zu den Gorillas reisen. Der Besuch lässt sich über die Webseite des Virungaparks organisieren. Man reist dann im Schutz der bewaffneten Wildhüter durch die Region. Die hohen Gebühren kommen direkt dem Nationalpark zugute. Wem dies zu aufwendig ist, der kann, den Berggorillaschutz durch Spenden in die Gorillaspardosen im Affenhaus der Wilhelma unterstützen. Auch veranstalten wir mehrfach im Jahr Fundraising-Aktionen, etwa durch den Verkauf von Losen, der zu 100 Prozent dem Projekt zugutekommt. Wir suchen zudem Schulen in Baden-Württemberg, die den Erlös einer ihrer Benefizveranstaltungen, beispielsweise eines Sommerfestes oder Adventsbasars, stiften und so einem kongolesischen Kind den Schulbesuch ermöglichen. Das ist schon für 100 Euro im Jahr zu realisieren.

 

Hintergrund

Die Wilhelma unterstützt verschiedene Artenschutzprojekte in den Heimatregionen stark bedrohter Tierarten in der ganzen Welt: zum Beispiel für Gorillas, Bonobos, Orang-Utans, Tiger, Nashörner und Zebras. Auf der Internetseite der Wilhelma finden sich Kurzbeschreibungen unter „Artenschutz vor Ort“. (kni)

 

Pressefotos

Bild 1: Die Ranger des Virunga-Nationalparks und ihre Spürhunde mit der Wilhelma-Tierpflegerin Thali Bauer, Hundeausbilderin Dr. Marlene Zähner und Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle für Umweltbildung und Artenschutz in der Wilhelma (von links). Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Die Ranger des Virunga-Nationalparks und ihre Spürhunde mit der Hundeausbilderin Dr. Marlene Zähner, Wilhelma-Tierpflegerin Thali Bauer und Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle für Umweltbildung und Artenschutz in der Wilhelma (von links). Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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