18.10.17

Flusspferd Mike soll künftig in Tschechien für Nachwuchs sorgen

Nach 50 Jahren ist am Dienstagmorgen, 17. Oktober 2017, die Haltung von Flusspferden in der Wilhelma mit der Abreise des Bullen Mike zu Ende gegangen. Nachdem er sich zunächst in Ruhe mit seiner Transportkiste vertraut gemacht hatte, kam er am Abend wohlbehalten in der neuen Heimat an, wo einer seiner vertrauten Pfleger ihm die Eingewöhnung erleichtern wird. Das in Stuttgart nach dem Tod seiner langjährigen Gefährtin Rosi zuletzt alleinstehende Tier soll künftig in Tschechien weiter zur Erhaltung seiner Art beitragen.

„Auch wenn wir uns nur sehr ungern von ihm trennen, ist das die bestmögliche Entscheidung für ihn selbst und die Flusspferde in Europa allgemein“, betonte die stellvertretende Wilhelma-Direktorin Marianne Holtkötter. Der Koordinator für das Flusspferd-Zuchtprogramm in europäischen Zoos hatte die Empfehlung gegeben, Mike in den Zoo Dvůr Králové zu geben. Dort haben die Flusspferde eine große Freianlage mit eigenem See zur Verfügung. „Mike soll in den nächsten Monaten schrittweise mit den beiden Kühen in Dvůr zusammengewöhnt werden“, sagt Holtkötter. „Am sogenannten Schmusegitter wird beobachtet, wie die Tiere aufeinander reagieren, wobei sie vorläufig noch voneinander getrennt bleiben.“ Mikes Gene sind in der europäischen Flusspferdpopulation noch unterrepräsentiert, Nachwuchs ist daher für die Zukunft durchaus erwünscht.

In den Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart waren 1967 zuerst die Zwergflusspferde Hannibal und Nelli eingezogen. 1968 kamen dann die Großen Flusspferde Rosi und Egon hinzu. Nachdem der Bulle 1988 starb, folgte 1989 Mike aus dem Zoo von Antwerpen als Zuchtpartner. Vier Nachzuchten von Rosi und Mike wurden im Lauf der Jahre an andere Zoos abgegeben. Nachdem Rosi im vergangenen Dezember mit 49 Jahren altersbedingt einem multiplen Organversagen erlag, war Mike im Flusspferdhaus auf sich allein gestellt. Der freundliche Bulle genoss die Streicheleinheiten seiner Pfleger umso mehr. Da mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Lebensweise und Bedürfnisse dieser geselligen Großsäugetiere auch die Anforderungen an ihre Haltung im Zoo gewachsen sind, ist es der Wilhelma nicht mehr möglich, in das 50 Jahre alte Haus neue Flusspferde aufzunehmen. Die logische Konsequenz war, Mike weiterzuvermitteln und das Gebäude für kleinere Tierarten zu nutzen. Ende August ist mit Ketiga ein erster Schabrackentapir eingezogen. Ein zweiter soll noch in diesem Herbst folgen.

Das Flusspferd-Kapitel ist für die Wilhelma damit bis auf weiteres abgeschlossen. Vielleicht gibt es eine Fortsetzung, falls die Idee der „Flusspferde am Neckar“ aufgegriffen werden sollte. Wenn nach der Inbetriebnahme des Rosensteintunnels die Neckartalstraße von vier auf zwei Spuren reduziert wird, könnte am Neckarufer gegenüber der Wilhelma gerade genug Platz für eine Anlage für Zwergflusspferde freiwerden. Diese Überlegung ist bislang jedoch nur ein Gedankenmodell. (poi)

Pressefotos

Archivbild1: Mike hat als letztes Flusspferd die Wilhelma verlassen. Foto: Marco Cini

Archivbild 2: In seinem neuen Zoo kann Mike in einem See schwimmen. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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