23.11.17

Pilzrarität: Stuttgarter Parkanlagen als Refugium des Igel-Stachelbarts

Bei Baumuntersuchungen im Schlossgarten entdeckte der Biologe Claus Wurst eine überraschende Seltenheit unter den Pilzen: Eine alte Platane erwies sich als Wirt für den bizarr geformten und in Deutschland stark gefährdeten Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus). Kurze Zeit später konnten auch im Rosensteinpark bei Pflegearbeiten durch die Wilhelma-Parkpflege die auffälligen Fruchtkörper des Pilzes an alten Platanen nachgewiesen werden. Normalerweise ist er eher in alten, naturnahen Buchenwäldern zu Hause. Weil in der neuzeitlichen Forstwirtschaft jedoch vor allem Fichten und Kiefern angepflanzt wurden, ist heute der Lebensraum dieses Pilzes geringer geworden. Darum landete der alte Buchen bevorzugende Pilz in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Heute werden in Deutschland wieder vermehrt Mischwälder angepflanzt. Diese sind oft noch zu jung, um dem Igel-Stachelbart als Lebensraum zu dienen. In der Zwischenzeit bieten Alternativstandorte mit alten Bäumen, wie in den Stuttgarter Parks, ein wichtiges Bindeglied für diesen seltenen Pilz. Interessant ist bei den Funden in Stuttgart, dass der Igel-Stachelbart hier bisher nur auf Platanen nachgewiesen wurde. Ob es sich bei den Stuttgarter Platanenbewohnern denn auch wirklich um dieselbe Art handelt wie bei den auf Buchen spezialisierten Igel-Stachelbärten soll jetzt anhand genetischer Untersuchungen am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart geklärt werden. Hier ist seit August 2017 Dr. Holger Thüs als Kurator für die Pilze zuständig und nimmt sich gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Ursula Eberhardt der Forschung an. Der Fund unterstreicht in jedem Fall die Bedeutung der alten Stuttgarter Platanen als Lebensraum für die unterschiedlichsten Lebewesen und im Speziellen für seltene und schutzwürdige Pilze.

Der auffällige Igel-Stachelbart, wegen seiner Form auch Pom-Pom genannt, ist bei uns ein wenig bekannter Speisepilz. In Asien gilt er als Delikatesse und ist eine gesuchte Komponente in der Traditionellen Chinesischen Medizin und von erheblicher pharmakologischer Bedeutung. Er entwickelt fußballgroße, korallenartige Fruchtkörper. Diese sind weiß gefärbt und zeichnen sich durch einen angenehmen Geschmack aus. (poi)

Pressefoto

Bild: Der Fruchtkörper des Igel-Stachelbarts, entdeckt von dem Biologen Claus Wurst, an einer alten Platane im Schlossgarten. Foto: Claus Wurst

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