03.07.18

Regierungspräsidium und Wilhelma fördern gemeinsam den Erhalt der Wildbienen-Vielfalt

Zu den verkannten Helden unseres Ökosystems zählen die Wildbienen. Die meisten leben als Einzelgänger und bilden keine Völker. So fällt der starke Rückgang ihrer Zahl und Arten in der Öffentlichkeit wenig auf, obwohl der Verlust der Bestäuber einen erheblichen Effekt für die biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt hat. Das Regierungspräsidium Stuttgart und die Parkpflege der Wilhelma kooperieren bei der Hege und Pflege der heimischen Wildbienen und möchten die Bevölkerung für die Schlüsselrolle dieser Insekten sensibilisieren. Um die Lebensbedingungen für die Nützlinge im Stadtgebiet Stuttgart zu verbessern, wurden auf ehemaligen artenarmen Rasenflächen rund 40 gebietsheimische Wildkräuter ausgesät. Eine solche Wildbienenwiese haben heute, Dienstag, 3. Juli, Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin vorgestellt.

An einer der markantesten Stellen im Zoologisch-Botanischen Garten, vor dem historischen Aussichtspavillon Belvedere, enthüllten Sie eine neue Infotafel für die Wilhelmabesucher. Auf der Tafel erfahren diese Interessantes über Wildbienen, ihre Nahrungsgrundlage und die Bedeutung der Wildbienen als Bestäuber für Wildpflanzen und Kulturpflanzen. Darüber hinaus werden Vorschläge gemacht, wie der Einzelne dazu beitragen kann, die Wildbienen in Stuttgart zu erhalten.

„Wir als Gesellschaft müssen mit vereinter Kraft die Biologische Vielfalt für kommenden Generationen bewahren“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer. „Deshalb hat das Land Baden Württemberg 2017 als weitere Anstrengung gegen das Artensterben das Sonderprogramm Biologische Vielfalt auf den Weg gebracht. Weitere Bausteine zum Erhalt der Artenvielfalt sind das Artenschutzprogramm des Landes sowie der sogenannte 111-Artenkorb“. Die Wilhelma und das Regierungspräsidium haben 2014 gemeinsam ein Projekt des 111-Artenkorbs zur Verbesserung der Nahrungsgrundlage für Wildbienen gestartet. In der Wilhelma war im Winter 2014/15 begonnen worden, eine bislang regelmäßig kurzgemähte Grünfläche umzugestalten und attraktive Nahrungspflanzen auszusäen. „Ein neues Blütenmanagement soll in der Wilhelma und im benachbarten Rosensteinpark Trittsteinbiotope für Wildbienen schaffen, um ihr Überleben in kleinen Bereichen zu sichern, von wo aus sie sich wieder ausbreiten können“, erklärte Direktor Kölpin. Der Fachbereich Parkpflege der Wilhelma betreut auch die staatlichen Grünanlagen in der Landeshauptstadt. Die Maßnahmen werden von dem Wildbienenspezialisten Hans Schwenninger im Auftrag des Regierungspräsidiums begleitet. In Wilhelma und Rosensteinpark konnten insgesamt 123 Wildbienen-Arten nachgewiesen werden: von der Zottigen Schmalbiene über die Senf-Blauschillersandbiene bis zur Gelbbindigen Furchenbiene, die alle eine sehr spezielle Umgebung benötigen. Wildbienen kommt ökologisch eine besondere Bedeutung zu, weil sie – anders als Honigbienen – auch bei regnerischem, kaltem Wetter fliegen und im Vergleich weitaus mehr Pflanzenarten bestäuben.

Zu den Ratschlägen, wie der einzelne Bürger mithelfen kann, gehören die Tipps daheim statt englischem Rasen heimische Wildkräuter aussäen, die Wiese nur ein- oder zweimal im Jahr mähen und blütenreiche Mähinseln belassen. Auch sind Totholz, Brombeerranken oder offene Bodenstellen wichtige Nistmöglichkeiten. „Wenn jeder nur eine, wilde Ecke‘ einrichtet, könnten sich die Wildbienen Stück für Stück auch in der Stadt wieder heimisch fühlen“, sagte der Wildbienen-Experte Hans Schwenninger.

 

Zusatzinformationen:

111-Artenkorb

Der 111-Artenkorb ist ein Projektbaustein der Naturschutzstrategie des Landes Baden-Württemberg. In dem  symbolischen Korb liegen 111 ausgewählte Tier- und Pflanzenarten, für die Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt, beispielsweise der Eisvogel aber auch mehrere Wildbienenarten. Für diese  Arten werden engagierte Projektpartner und Paten aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen gewonnen, die mit zahlreichen Aktionen die Lebensbedingungen dieser Arten vor Ort nachhaltig verbessern, aber auch die Bedeutung der Biologischen Vielfalt in die Öffentlichkeit tragen.

Sonderprogramm des Landes Baden Württemberg zum Erhalt der Biologischen Vielfalt

Erhalten, was uns erhält – das Land Baden-Württemberg verpflichtet sich zum Erhalt der biologischen Vielfalt als Lebensgrundlage. Deshalb hat die Landesregierung Ende 2017 ein Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgelegt. Für die Jahre 2018 und 2019 wird das Land insgesamt 30 Mio. Euro in die Hand nehmen.  Die Ministerien für Umwelt, für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie für Verkehr verstärken damit ihre Anstrengungen zum Erhalt der Artenvielfalt.

Die Maßnahmen des Sonderprogramms werden durch ein Monitoring begleitet, das unter anderem auch die Menge vorkommender Insekten (sogenanntes Biomasse-Monitoring) umfasst. Zudem sind die detaillierte Erfassung bestimmter Insektengruppen und eine landesweite Fledermauserhebung vorgesehen.

Artenschutzprogramm des Landes Baden Württemberg

Mit dem Artenschutzprogramm werden ausgewählte, vom Aussterben bedrohte und hochgradig gefährdete Tier- und Pflanzenarten, sowie solche Arten, für die das Land eine besondere Verantwortung hat, im Bestand stabilisiert und gefördert. Spezialisten betreuen im Auftrag der Naturschutzverwaltung die Standorte dieser Arten, geben Hinweise zur speziellen Pflege der Standorte, treffen Absprachen mit Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern. Dadurch kann das Überleben zahlreicher bedrohter Populationen gesichert werden. In der Wilhelma und Rosensteinpark gilt das Augenmerk ganz besonders der Grubenhummel.

Pressefotos

Bild 1: Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin und Insektenkundler Hans Schwenninger (von rechts) haben das Ratgeberschild an der Wildbienenwiese in der Wilhelma enthüllt. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Regierungspräsident Wolfgang Reimer und der Stuttgarter Bürgermeister Peter Pätzold (von links) betrachten eine Wildbiene, die für kurze Zeit zur Artenbestimmung von der Projektwiese in der Wilhelma eingesammelt und dann wieder freigelassen wurde. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Impression von der Wildbienenwiese in der Wilhelma. Die Bienen brauchen spezielle Futterpflanzen und die Futterpflanzen sind wiederum auf Insekten angewiesen, die sie bestäuben. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 4: Die Gelbbindige Furchenbiene ist „Wildbiene des Jahres 2018“. Auch sie profitiert von den neuen Wildkräuterflächen in der Wilhelma. Foto: Hans Schwenninger

 

Bei Verwendung der Pressefotos bitte Copyright und Bildnachweis beachten (siehe auch IPTC-Daten)! Die Bilder dürfen im inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung zur Veröffentlichung in Zeitungen, Zeitschriften, Reiseprospekten und Online-Portalen verwendet werden - bitte unbedingt dabei auf einen korrekten Bildnachweis achten. In der Regel lautet dieser "Wilhelma Stuttgart". Mitunter stellen aber auch andere Fotografen ihre Bilder zur Verfügung (siehe jeweils bei den Bildlegenden). Die Weitergabe der Fotos durch Nachrichtenagenturen ist im inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung gestattet. Die kommerzielle und werbliche Nutzung sowie der Weiterverkauf durch andere Dritte, wie zum Beispiel Verlage oder auch Privatpersonen, ist nicht erlaubt.

Frühere Pressemitteilungen

PDF-Download

Kontakt zur Pressestelle

Share/Bookmark