09.02.18

Kleiner Pflanzenstar kommt groß raus: Jubiläum 125 Jahre Moosfarn

Er ist eine wahre Augenweide: ein Ruhepol in der bunten Vielfalt der Wilhelma, ein kleiner Pflanzenstar in der Welt exotischer Gewächse im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart. Der zarte Bodendecker im Wintergarten, der immer wieder Besucher beim ersten Blick auf das grüne Meer in Staunen versetzt, ist ein spezieller Jubilar. „Eine jüngst im Archiv des Hauses Württemberg im Schloss Altshausen entdeckte Fotografie aus der Wilhelma vom 11. Februar 1893 belegt als ältester Nachweis, dass dieser Moosfarn bereits seit mindestens 125 Jahren in der Wilhelma kultiviert wird“, sagt Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik. „Das zeigt, wie sehr das Erbe der ursprünglichen Wilhelma auch in ihren Pflanzen fortlebt.“

Der Wintergarten mit seinem Koi-Teich ist eine beliebte Oase. Schon beim Betreten der historischen Gewächshaushalle herrschaftlicher Größe atmen die Gäste tief durch und saugen die gelassene Atmosphäre auf. Ein prägendes Element ist dabei der Boden aus Feingliedrigem Moosfarn, der aus seinen kleinen und kleinsten, sich verzweigenden Blättchen sanfte Wogen aus leuchtendem Grün formt. Verschiedene Nuancen der Farbe reichen empor über die breiten Blätter der riesigen Bananenstauden und die Fächer der Palmen – hoch bis zu den grün gestrichenen Trägern des Glasdachs. Um eine Konstruktion zu schaffen, die dem Wintergarten Stabilität und Höhe verleiht, zugleich aber durch Verzierungen spielerisch und luftig wirkt, hat Bauherr König Wilhelm I. von Württemberg eigens ein Gusseisen-Verfahren aus England importieren lassen. Die Bauelemente fertigte ein Werk in Wasseralfingen, dem heutigen Stadtteil von Aalen.

In diesem botanischen Schmuckkasten findet das nur zehn Zentimeter hohe Bärlappgewächs aus Südafrika in seiner überreichen Fülle immer neue Bewunderer. Doch kennen nur wenige seinen biologischen Namen. Dabei schlägt er einen bemerkenswerten Bogen von dem Fundort auf der Südhalbkugel nach Stuttgart: Die Bezeichnung Selaginella kraussiana ehrt den Forscher Christian Ferdinand Friedrich von Krauss. Der spätere Leiter des Königlichen Naturalienkabinetts, des Vorgängers des Naturkundemuseums in Stuttgart, sammelte 1839 auf Expedition am Kap im Gebiet des heutigen Tsitsikamma-Nationalparks zahlreiche Tiere und Pflanzen. An den Südhängen des Outeniqua-Gebirges entdeckte der Stuttgarter den zierlichen Moosfarn und brachte ihn vor nunmehr 179 Jahren zur näheren Bestimmung durch befreundete Wissenschaftler mit.

„Krauss war als Museumsdirektor damals auch Vorgesetzter der Hofgärtner und konnte so über die Pflanzen der Wilhelma mitbestimmen“, erklärt Schäfer. „So ist wahrscheinlich, dass er seine Entdeckung am heutigen Standort im Wintergarten anpflanzen ließ.“ Stets feucht und kühl, aber frostfrei gedeiht der Moosfarn dort, solange er nicht betreten wird. „Jetzt möchten wir auch genetisch untersuchen lassen, ob unsere heutigen Pflanzen sogar direkt von der 1839 von Krauss entdeckten allerersten Pflanze abstammen“, sagt Schäfer.

Pressefotos

Bilder 1-3: Der Moosfarn bildet als Bodendecker ein grünes Meer im Wintergarten. Bei der Umgestaltung 2016 erhielt die zuvor ebene Fläche von Zierpflanzengärtner Stefan Walter und seinen Kollegen eine Wellenform. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 4: Den Feingliedrigen Moosfarn hat der Stuttgarter Forscher Friedrich Krauss 1839 in Südafrika entdeckt. Foto: Wilhelma Stuttgart

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