23.01.18

Neuerwerbung: Historische Bilder aus der Frühzeit der Wilhelma geben Einblicke

Eine historische Fotografie aus dem 19. Jahrhundert und ein Gemälde aus der Sammlung von König Wilhelm I.: Das sind zwei Zeugnisse aus der Frühzeit der königlichen Parkanlage und des schlossartigen Bauensembles Wilhelma, die heute vor allem als zoologisch-botanischer Garten weltweit bekannt sind. Gegründet aber wurde die Anlage von Wilhelm I. von Württemberg, der sich ein privates Refugium mit Badehaus errichten ließ, als hier einst heilsame Mineralwasserquellen entdeckt wurden. Die Einweihung von 1846 wird sich 2021 zum 175. Mal jähren. Gemeinsam haben die Wilhelma und die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) Baden-Württemberg, zuständig für die historischen Monumente des Landes, die zwei markanten Neuerwerbungen am Montag, 22. Januar, präsentiert.

 

Errichtet als königliches Refugium am Neckar

Ein royaler Landsitz im maurischen Stil: Das war das Ensemble, das sich Wilhelm I. ab 1842 vom Hofbaumeister Karl Ludwig Wilhelm von Zanth errichten ließ. Die Wilhelma ergänzte die Anlage auf dem benachbarten Rosenstein mit seinem weitläufigen Park und dem Schloss Rosenstein – und es war von ganz privatem Charakter. Nur ausgewählte Gäste erhielten zu Lebzeiten des Königs hier Zutritt. Der württembergische Regent ließ der Anlage als seinem persönlichen Rückzugsbereich ein ungewöhnliches Aussehen geben. Sie lehnte sich an arabische Gartenschlösser an, wie sie sich etwa mit der Alhambra in Granada erhalten haben. Zu erkennen ist das heute noch an eindrucksvollen historischen Bauwerken, von denen viel die Kriege überstanden hat und einen einmaligen Reiz des großen zoologisch-botanischen Gartens ausmacht.

Rückbesinnung auf Ursprung

„Die Wilhelma ist heute als Zoo und als Botanischer Garten jeweils für sich renommiert und in der Kombination von beidem in Deutschland einmalig“, sagt Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Dabei darf man nicht vergessen, dass weder das Eine noch das Andere ihr Ursprung war, sondern das königliche Refugium mit all seinem royalen Prunk und seiner orientalischen Ornamentik im Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Auf den besonderen Dreiklang der Exotik aus Tieren, Pflanzen und Baukunst ferner Länder wollen wir im Vorfeld des großen Wilhelma-Jubiläums den Blick verstärkt richten.“

Die Bedeutung der Kooperation mit der Wilhelma betont Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg: „Gerade von Wilhelm I. hat sich keines der Schlösser so erhalten, dass wir seine Welt zeigen könnten. Die Bauten, die sich in der Wilhelma erhalten haben, sind daher umso kostbarer“. Die Staatlichen Schlösser und Gärten präsentieren aus der Zeit des baufreudigen Königs ein besonders herausragendes Monument: die Grabkapelle auf dem Württemberg. Das vom König persönlich gesteuerte Bauprojekt erinnert an seine früh verstorbene Frau Katharina. In Schloss Rosenstein und im Neuen Schloss Stuttgart sind die Ausstattungen der Wilhelmszeit seit dem Krieg größtenteils verloren. „Das gemeinsame Projekt mit der Wilhelma ist daher für uns von größter Bedeutung“, erklärt Michael Hörrmann.

Neuerwerbung aus der ehemals königlichen Sammlung

Das Gemälde, das die Staatlichen Schlösser und Gärten vor kurzem ankaufen konnten, zeigt eine „büßende Maria Magdalena“, ein religiöses Thema, das seit der Barockzeit als Frauenakt dargestellt wurde. Ungewöhnlich ist das Material: Carl Meinelt kopierte 1852 ein Ölgemälde des Malers Johann Baptist Ludwig Maes, ebenfalls im Besitz des Königs, auf eine Porzellanplatte. Das kleinformatige Kabinettstück ist durchaus typisch für die private Sammlung von Wilhelm I., die viele ähnliche Stücke enthielt. Nach dem Ende der Monarchie vor 100 Jahren wurden viele dieser Werke versteigert. Das nun im Kunsthandel wieder aufgetauchte Exemplar ist ein wichtiger Neuzugang für die Sammlungsbestände der Staatlichen Schlösser und Gärten. Dr. Patricia Peschel, als Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten zuständig für solche Stücke des ehemaligen Krongutes, erklärt: „Das Porzellanbild kam im April 1854 zusammen mit einer Vielzahl von weiteren Porzellanbildern in die Wilhelma. Sie schmückten den Bildersaal und die Galerien über dem Fest- oder Gartensaal. Die Neuerwerbung, die uns geglückt ist, kann ein Baustein für eine künftige Ausstellung über die Zeit von König Wilhelm werden.“

Das „Maurische Landhaus“ in einer historischen Fotografie

Der Wilhelma gelang vor kurzem der Ankauf einer historischen Fotografie von privat, die eine der frühesten Aufnahmen der Wilhelma sein dürfte und das Maurische Landhaus wohl in den 1870er-Jahren zeigt. Aus der Zeit davor sind bislang nur Stiche und Zeichnungen bekannt. Nach dem Tod des Erbauers König Wilhelm I. im Jahr 1864 wurde das private Refugium auch für Besucher langsam zugänglich gemacht, und erst ab 1880 konnten Berechtigungskarten erworben werden. Zuvor bot vermutlich dieses Foto die einzige Möglichkeit für „Normalsterbliche“, einen authentischen Blick auf das königliche Anwesen ihres Regenten zu werfen. Der Verlag A. Mencke & Co. Wandsbeck bei Hamburg hatte sich zur Aufgabe gemacht, Schlösser, Landgüter und Herrenhäuser in deutschen Landen abzulichten und mit dem noch neuen Verfahren der Albuminabzüge relativ kostengünstig zu vertreiben. In vielen Fällen waren das die Erstaufnahmen dieser Bauwerke. Eine Mark und acht Schillinge kostete solch eine auf Karton aufgezogene Fotografie. Das entsprach etwa dem Preis von einem Kilo Butter damals, grob dem halben Wochenlohn eines Knechts.

Gut zu erkennen ist das zunächst als Badhaus konzipierte sogenannte Maurische Landhaus mit seinen Gewächshaus-Anbauten, das bis auf sein im Krieg eingestürztes Kuppeldach heute noch zu bewundern ist. Aufschlussreich ist auch die damalige Gestaltung des davor liegenden Maurischen Gartens, von der sehr viel bewahrt werden konnte: mit den Kandelabern, dem Wasserspiel entlang der Treppe, den Tierskulpturen, zahlreichen Palmen und den bis heute erhaltenen Paeonien (Strauchpfingstrosen) und Eiben – damals noch sehr schmal gestutzt. Das große Wasserbecken ist nicht mehr von Pflanzengefäßen umkränzt. Inzwischen ist es als Tropischer Seerosenteich ein besonderer Anziehungspunkt. Das vom König zuerst errichtete Gebäude ist bis heute das zentrale Bauwerk im Herzen des zoologisch-botanischen Gartens.

Gemeinsamer Weg zum Jubiläum 2021

Die Vorstellung der beiden Neuerwerbungen fand fast exakt an dem historischen Termin statt, an dem König Wilhelm den Namen einführte, unter dem sein Anwesen bis heute berühmt ist: Am 17. Januar 1845 benannte der König erstmals sein neues architektonisches Juwel als „Wilhelma“. Deren Einweihung im Jahr 1846 wird sich 2021 zum 175. Mal jähren. Auf dem Weg zu diesem Jubiläum wollen die beiden großen Institutionen enger zusammenarbeiten, um das historische Kulturerbe in den Blickpunkt zu rücken. (kni)

Pressefotos

Abbildung 1: Fotografie um 1870 „Die Königliche Wilhelma in Kannstadt b. Stuttgart“ aus dem Verlag A. Mencke & Co. Wandsbeck bei Hamburg. Repro: Wilhelma Stuttgart

Abbildung 2: Porzellangemälde „Büßende Maria Magdalena“ von Carl Meinelt (1852) nach einem Gemälde von Jean Baptist Maes. Repro: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Bild 3: Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin (links) präsentiert mit der Konservatorin Dr. Patricia Peschel und Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das neuerworbene Gemälde „Büßende Maria Magdalena“ (1852) von Porzellanmaler Carl Meinelt, das zur Zeit König Wilhelms I. von Württemberg in der Wilhelma hing. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

 

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