
05.05.2009
Derzeit sehen die Besucher Wilbär und Corinna entweder miteinander spielend – mehr oder weniger grob oder sanft –, einträchtig aneinandergekuschelt oder ihrer eigenen Wege gehend. Einer liegt dort, der andere da. Sie läuft Richtung Antons Gehege, er sucht sich derweil ein neues Spielzeug oder döst ein wenig in der Frühlingssonne. Manchmal folgt er ihr auch, aber sie hat keine Lust auf ihn und droht ihm, er soll sich verkrümeln. Soweit so gut. Allerdings gab es auch schon Momente, in denen einigen Besuchern der Schreck in die Glieder fuhr. Die Situationen nämlich, in denen Corinna ihren fast gleich großen und starken Wilbär in die Schranken weist – sei es durch kräftige Tatzenhiebe, Bisse oder gar energisches „Tunken“ im Wasser. Manche erschrockenen Beobachter alarmierten sogar die Pfleger – in der Befürchtung, Corinna sei gerade dabei, ihren Sohn umzubringen. Doch ganz so schlimm, wie es aussah, war es noch nicht. „Bei Eisbären fliegen im Streit schnell mal die Fetzen, zimperlich sind die nicht“, erklärt ihr Pfleger Jürgen Deisenhofer. „Und die Momente, in denen es richtig rappelt, kriegen die Besucher ohnehin nicht mit, nämlich morgens beim Frühstück im Innengehege. Da wackeln wirklich manchmal die Wände!“
Denn Corinna, von Natur aus ohnehin eher futterneidisch, ist längst nicht mehr bereit, ihrem Sohnemann mütterlich-fürsorglich die besten Happen zu überlassen. Dieser wiederum frisst inzwischen wie ein Scheunendrescher und will sowieso alles für sich allein haben. Ergebnis: Es gibt ordentlich Zoff. Wie ein heftiges Gewitter ist der Streit aber meist schnell vorbei – zumindest solange Corinna noch die Oberhand hat. Die harmonischen Phasen oder die des friedlichen Nebeneinanders dagegen sind andauernder, also auch häufiger zu beobachten. „Und das ist gut so. Wir wollen ja nicht, dass Corinna Wilbär doch noch ernsthaft an den Kragen geht“, sagt die Eisbärkuratorin Dr. Ulrike Rademacher. „Sollten sich aber Corinnas Hormone umstellen und sollte sie in nächster Zeit paarungsbereit werden, so kann das mit der vehementen Vertreibung sehr schnell, von jetzt auf nachher, losgehen.“ Daher erfolgt die Trennung, solange der Frieden überwiegt – und bevor die Abnabelung nach Eisbärenart in eine brutalere Phase eintritt noch im Mai.

23.04.2009
Er wächst und wächst: Als er auf die Welt kam, war Wilbär gerade mal meerschweinchengroß; heute, 16 Monate später, bringt er bereits gut 200 Kilo auf die Waage. Aufgerichtet erreicht er über 1,90 Meter! Damit ist er seinen Pflegern Andreas Wössner und Jürgen Deisenhofer über den Kopf gewachsen. Und von seiner Mutter Corinna wird Wilbär in Größe und Masse ohnehin nicht mehr lange zu unterscheiden sein. „Rund zehn Kilo legt er inzwischen pro Monat mindestens zu“, schätzt Jürgen Deisenhofer. Denn mittlerweile fresse Wilbär wie ein Scheunendrescher – „nicht mehr wie ein junger, sondern so viel wie ein erwachsener Eisbär. Schon seit einiger Zeit versucht Wilbär zudem immer mehr, bei der Mutter seinen männlichen Dickschädel durchzusetzen. Dann bleibt Corinna oft nur, ihn mit ein paar kräftigen Ohrfeigen zur Raison zu rufen. „Alles normal für die Entwicklung eines Eisbären in Wilbärs Alter und Größe“, meint Ulrike Rademacher, die Eisbärenkuratorin der Wilhelma. „Wie jede Eisbärmutter muss auch Corinna Wilbär eben klar machen, wo seine Grenzen sind. Und dass er nicht immer seinen Kopf durchsetzen kann. Umso größer und schwerer er wird, umso deutlicher fallen die Erziehungsmaßnahmen und Zurechtweisungen aus: einfaches Androhen oder Anschubsen beeindruckt Wilbär längst nicht mehr.
Bevor die "Maßregelungen" jedoch ernst werden, weil Corinna Wilbär nach Eisbärinnenart zu vertreiben beginnt - was notfalls auch mittels Beißattacken passiert - muss die Wilhelma ihr zuvorkommen und die beiden trennen. Denn Wilbär kann im Fall der Fälle ja nicht selbst das Weite suchen, da sind in einem Zoo dem Lauf der Natur nun mal Grenzen gesetzt. Eine Trennung im Mai wird jedoch nicht zu früh sein, denn dann ist Wilbär knapp 1,5 Jahre alt. Und auch in der Natur vertreiben Eisbärinnen in Regionen mit gutem Nahrungsangebot ihre Jungen in diesem Alter - wie Forscher in der Hudson Bay beobachteten. Gut ist die Nahrungssituation in der Wilhelma aber ganz bestimmt - wie auch die üppige Figur Wilbärs beweist.

11.02.2009
Wohin nur mit all dieser unbändigen Kraft? Diese Frage bestimmt derzeit offenbar Wilbärs Leben als halbstarker Eisbär. Und während sich ein junger Mensch in seiner Lage auf dem Bolzplatz oder in der Disco austoben würde, reagiert Wilbär seine Sturm- und Drang-Phase durch Sport nach Eisbärenart ab: Dabei ist so manche tollpatschige Slapstick-Einlage nichts anderes als spielerische Probe des späteren „Ernstfalls“: der Jagd nach Nahrung. Zwar wird Wilbär auch in seiner künftigen Heimat in Schweden nicht selbst auf die Jagd gehen müssen. Doch wie jedes junge Raubtier trainiert er instinktiv das Auflauern und Erlegen von Beute – oder auch den Kampf mit einem möglichen Rivalen. Die Rolle von Mutter Corinna als Trainerin und Spielgefährtin nimmt dabei langsam ab: Längst gibt sie nicht mehr jeder ungestümen Aufforderung zum Spiel sofort nach. Umso mehr muss das von den Tierpflegern im Gehege verteilte Spielzeug dran glauben. Da gibt es große und kleine Holzstücke, die es zu schleudern, zu fangen, zu zerbeißen oder zu „ertränken“ gilt. Auf dicke blaue Tonnen und weiße Kanister springt Wilbär mit voller Wucht darauf, um dann mit den Vorderbeinen und ganzem Körpereinsatz energisch auf ihnen herumzuwippen – genauso wie es Eisbären in der Arktis mit Eisschollen tun, um bei der Robbenjagd Löcher ins Eis zu schlagen. Ein andermal wirft Wilbär Holzstücke ins Wasser, hechtet von seinem Einmetersprungfelsen hinterher und ruht nicht, bevor die Beute erlegt ist und sich „ergeben“ hat. Und auch die Besucher können bei einer Lieblingssportart von Wilbär mitmachen: Sie heißt „Leute erschrecken“: Urplötzlich taucht Wilbär dann aus dem Wasser auf und springt mit aufgerissenem Maul an der Scheibe hoch. Jeder, der davor steht, könnte ja schließlich auch ein Feind oder Rivale sein.
Rund 160 Kilo dürfte Wilbär mittlerweile auf die Waage bringen und sein Appetit ist längst größer als der von Mutter Corinna: Rund sieben Kilogramm Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch verschlingt der Nimmersatt pro Tag. Und so wirkt Corinna mit ihren etwa 300 Kilo kaum noch größer als ihr Sohn. Nur im Vergleich zu Papa Anton im Gehege nebenan mit seinen stattlichen 600 Kilo Lebendgewicht sieht Wilbär immer noch aus wie ein eher kleiner Eisbär ...

10.12.2008
Geburtstagsfeiern für Bären sind meistens Veranstaltungen mit getrennter Kost und getrennten Spielmöglichkeiten. So auch bei Wilbär: Viele Freunde sind gekommen, Große und Kleine, Alte und Junge, aber miteinander spielen durften sie natürlich nicht – schließlich hängt die Wilhelma sehr an ihren Besuchern!
Für die Gäste gab es Poster, dem Geburtstagsbären hingegen reichte man an seinem Festtag ein kulinarisches Extra, das mit gebührender Gier gewürdigt wurde: Geeiste Heringstorte als Tatzenfood – von den Pflegern mit Schwung im Wasser serviert, denn ein bisschen Suchspiel und Überraschung gehören für ein nun einjähriges Eisbärchen auch mit dazu. Seine Freunde auf der anderen Seite der Scheibe konnten tolle Fotos machen und Wilbär beim Spielen zuschauen. Mutter Corinna war wahrscheinlich auch froh über die Extra-Futterbeschäftigungseinheit, bedeutete sie doch auch das eine oder andere Extrahäppchen für sie und zudem ein paar ruhige Minuten ohne fordernden Sohnemann. Ob sie wohl die Tage schon zählt, bis er auf die große Reise gen Norden geht? Wilbär und seine Fans haben jetzt jedenfalls erst mal einen gemeinsamen Winter vor sich – bald kriegt er wohl den ersten Schnee zu sehen!

05.12.2008
Am 10. Dezember feiert Wilbär seinen ersten Geburtstag. Als Geburtstags-Dinner erhält er dann zum Beispiel eine leckere Extra-Portion Fischkuchen mit Gemüse-Obst-Beilage. Und die Besucher bekommen an diesem Tag vor dem Gehege Wilbär-Poster – so lange der Vorrat reicht. Zudem können Besucher an diesem Tag auch Restbestände von Wilbär-Kalendern nahe des Geheges käuflich erwerben.
Derzeitiges Lieblingsspiel von Wilbär, dem auch Corinna selten widerstehen kann: der „Blaue-Tonne-Demolier-Wettbewerb“. Nicht nur dabei jedoch ist klar zu erkennen, dass der junge Wilbär mitten in der Sturm-und-Drang-Phase steckt. Zudem scheint er derzeit dankbar für jeden Besucher zu sein, der ihm zusätzlich Unterhaltung bietet. Vor allem angesichts eines Fotoapparats läuft der medienverwöhnte Eisbär-Star zur Hochform auf. Besucher, die es somit trotz kalter oder grauer Witterung in die Wilhelma schaffen, werden mit etwas Glück von Wilbär mit eines Topmodels würdigen Posen, Kapriolen und kleinen Scheinangriffen gegen die Gehegescheiben reichlich belohnt.
