Unser Auftrag
Die Aufgaben eines modernen zoologisch-botanischen Gartens gehen weit über die Haltung exotischer Tiere und Pflanzen hinaus. Einer der wichtigsten Bereiche ist der Artenschutz, der in zwei Formen unterschieden wird:
Beim In-situ-Artenschutz geht es um Projekte direkt vor Ort im Herkunftsgebiet der Tiere.
Zum Ex-situ-Artenschutz zählen die Erhaltungszuchtprogramme außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der Arten, etwa in Zoos.
Ex-Situ-Artenschutz und Zuchtprogramme

Moderne Zoos halten Tierarten als Versicherung gegen das Aussterben in der Natur – es sind sogenannte Reservepopulationen. Für den Aufbau einer genetisch langfristig gesunden, sich selbst erhaltenden Zoopopulation ist viel Sachkenntnis und Planung erforderlich.
Innerhalb der EAZA – dem europäischen Dachverband der Zoos und Aquarien – wird das Management der Zoopopulation über die EEPs (kurz für EAZA Ex-situ Programm) organisiert.
Jedes EEP wird von einem Koordinator betreut, der den gesamten Bestand der Tierart in den EAZA-Mitgliedszoos im Blick hat. Welche Tiere Nachwuchs bekommen dürfen, entscheiden nicht die Zoos selber, sondern die jeweilige Koordinatoren.
Neben den EEPs gibt es die Europäischen Zuchtbücher (ESB) und die Internationalen Zuchtbücher (ISB). Auch sie sammeln Stammbaumdaten, um auf dieser Grundlage Jungtiere zu vermitteln oder Gruppen neu zusammenzustellen. Die Wilhelma beteiligt sich an über 50 EEPs, beispielsweise für die Gorillas, und an über 30 ESBs und ISBs.
Auswilderung und Wiederansiedlung
Von der Wilhelma in die Wildbahn – diesen aktiven Beitrag zum Artenschutz hat die Wilhelma schon mit eigenen Tieren wie Steinböcken, Gänsegeiern, Moorenten und Seeadlern geleistet. Jedoch werden Tiere aus Zoobeständen nur dann ausgewildert, wenn der Lebensraum genügend Nahrung und Schutz vor Wilderei bietet.
Die Wilhelma unterstützt die Wiederansiedelung von seltenen Arten durch vor Ort nachgezogene Tiere auch auf anderen Kontinenten: Harlekinkröten in Ecuador, Geier in Südafrika, Brüllaffen und Taubenhalsamazonen in Brasilien, sowie ausgerottete Hochlandkärpflinge in Mexiko, haben mit unserer Hilfe die Chance auf ein Comeback.


In-Situ-Artenschutz: Aufforstung, Landkauf und Auffangstationen
Die Wilhelma fördert die Arbeit von Artenschützenden in über 15 Ländern weltweit. Ein Fokus ist der Schutz intakter Lebensräume, etwa durch den Ankauf von Regenwaldgebieten in Belize und Ecuador. So wurden im Zeitraum von 2019 bis 2024 rund 1100 Hektar finanziert - und jedes Jahr kommen Flächen hinzu.
Auf Borneo wird mit zehntausenden Baumsetzlingen jedes Jahr die Renaturierung des Lamandau-Reservats ermöglicht – Heimat hunderter Orang-Utans. In der Demokratischen Republik Kongo wurden Bonobos mit unserer finanziellen Unterstützung erfolgreich ausgewildert. Und in Südafrika rettet die Organisation Vulpro mit Hilfe der Wilhelma verletzte Geier.
Dies sind nur fünf von über 40 Projekten, für welche die Wilhelma jedes Jahr insgesamt 1 Million Euro bereitstellt! Wir danken unserem Förderverein für die Unterstützung dabei und unseren Besuchenden, die mit dem Artenschutz-Euro beim Kauf der Eintrittskarte einen kleinen Beitrag mit großer Wirkung leisten.
Artenschutz für Pflanzen
Ein zentraler Punkt dabei ist der internationale Samentausch: Botanische Gärten tauschen via eines Katalog die bei ihnen geernteten Samen seltener Arten effektiv und kostenfrei untereinander aus.
Auch Ex-situ-Sammlungen dienen dem Artenschutz. So trägt die Wilhelma die Verantwortung für die Glänzende Seerose, die nur in wenigen Seen Baden-Württembergs vorkommt. Sollten diese austrocknen, kann die Art aus den Wilhelma-Beständen wieder ausgewildert werden.
In-situ-Projekte für Pflanzen: Extrem seltene Magnolien, die in Ecuador kurz vor der Ausrottung standen, konnten durch gezielte Nachzucht und Auspflanzungen gerettet werden. Auf Galapagos helfen wir der Charles-Darwin-Foundation beim Schutz der einmaligen Scalesien-Wälder.


CSS Orchids and Reptiles – das Artenschutz-Center der Weltnaturschutzunion in der Wilhelma
Seit 2025 unterstützen wir mit dem CSS Orchids and Reptiles – Wilhelma zudem die Arbeit der Weltnaturschutzunion (IUCN) mit zwei Vollzeitstellen, die für die Rote-Liste-Fachleute der IUCN im Bereich Orchideen und Reptilien arbeiten.
Die Wilhelma ist in über 15 Ländern als Unterstützerin von In-situ-Schutzprojekten aktiv und stellt unter anderem auch Mittel für den Landkauf in Biodiversitätshotspots bereit. In Zusammenarbeit mit der Initiative “Reverse the Red” und ihren Partnern vor Ort hilft die Wilhelma dabei, sowohl Tier- als auch Pflanzenarten auf der Roten Liste zurückzustufen. Der taxonomische Schwerpunkt des Zentrums liegt auf Reptilien und Orchideen, was den bilateralen Ansatz der Wilhelma im Naturschutz widerspiegelt.
Gemeinsam Arten schützen!
- Der Artenschutz-Euro ist ein freiwilliger Beitrag, den die Besuchenden beim Kauf eines Erwachsenentickets bezahlen können. Kindertickets enthalten keinen Artenschutz-Euro.
- Wer den Artenschutz-Euro nicht bezahlen möchte, kann dies vor dem Kartenkauf an der Wilhelma-Kasse mitteilen. Der Beitrag wird dann nicht berechnet.
- 100 Prozent der Einnahmen aus dem Artenschutz-Euro gehen an unsere Projekte im In- und Ausland.
- Es gibt keine Abzüge für Verwaltungskosten.
Danke, dass auch Sie Teil der Allianz für die Natur sind.



