08.03.10

Eine neue Heimat für Susi und Moritz

Seit vielen Jahren lebte es in der Wilhelma, doch Mitte März wird das Schimpansenpaar Moritz und Susi nun in den ungarischen Zoo von Veszprém umziehen. Hier sollen die beiden ihren Lebensabend in einem großen Gehege und im Kreis von Artgenossen verbringen können.

Schon im Jahr 2003 hatte die Wilhelma in ihrem Entwicklungsplan festgelegt, dass sie die Haltung von Schimpansen langfristig aufgeben wird, um dafür die drei anderen Menschenaffen­arten besser und artgerechter unterbringen zu können. Die neue Anlage wird daher nur Gorillas und Bonobos aufnehmen, das alte Haus für die Orang-Utans umgebaut. Ihren Lebens­abend hätten Susi und Moritz – zumal gute Plätze für Schimpansen in den letzten Jahren schwer zu finden waren – trotzdem in Stuttgart verbringen können, hätte das EEP (Europäische Erhaltungszucht­programm) jetzt nicht eine bessere Lösung gefunden und empfohlen: die neue Anlage im Zoo von Veszprém, die auf 2400 Quadrat­metern Raum für bis zu 15 Schimpansen bietet – inklusive grüner Freigehege mit Kletterpar­cours, Büschen und Bäumen. Dieser Empfehlung wird die Wilhelma folgen, wobei die Schimpansen weiterhin in ihrem Besitz bleiben.

„Wir sind sicher, zum Wohl von Susi und Moritz richtig entschieden zu haben“, so Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. „Trotzdem fällt uns der Abschied natürlich schwer, immerhin leben die beiden schon seit 1975 und 1967 bei uns und Schimpansen waren unsere erste Menschenaffenart überhaupt.“ Aber seit die Weibchen Jenny und Bärbel, um Inzucht mit Bärbel und ihrem Vater Moritz zu vermeiden, Anfang 2008 in den Attica Zoo bei Athen umzogen, wurde es für das altgediente Paar doch ziemlich ruhig, um nicht zu sagen langweilig. Schimpansen leben in der Natur in größeren Verbänden, soziale Beziehungen sind neben der Nahrungssuche die wichtigste Beschäftigung – das gilt auch im Zoo. Doch in Stuttgart fehlt der Platz, um eine neue Gruppe aufzubauen, die Susi und Moritz mehr Gesellschaft bieten würde. Stirbt zudem einer von beiden, wäre der andere ganz allein. Hinzu kommt, dass Moritz durchaus noch Nachwuchs zeugen könnte. Und der ist wertvoll, denn ein genetischer Nach­weis ergab 2003, dass er und Susi Vertreter der Westafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes verus) sind, für die seither auch ein EEP existiert.

Mit ihren 45 und 47 Jahren sind Susi und Moritz zwar nicht mehr die Jüngsten. Doch eine eigens durchge­führte tierärztliche Untersuchung bestätigte, dass sie fit und reisetüchtig sind. Es lohnt sich also, sie in eine neue Unterkunft umzusiedeln, wenn diese mehr Lebensqualität verspricht – wie die neue Anlage in Vesz­prém, die von den EEP-Koordinatoren Frands Carlsen und Tom de Jongh zuvor eingehend geprüft wurde. Um den Schimpansen die Eingewöh­nung zu erleichtern, haben sich bereits drei ungarische Pfleger in der Wilhelma mit Susi, Moritz und ihren Bedürfnissen vertraut gemacht. Mitte März wird dann der Direktor des Zoos von Veszprém die zwei persönlich abholen, ein Stuttgarter Pfleger wird sie begleiten und sich in Ungarn anfangs um sie kümmern. Noch im Frühjahr sollen die beiden dann mit zwei weiteren Schimpan­sen zusammengewöhnt werden. Im Menschenaffenhaus der Wilhelma informiert die Besucher zudem ab sofort eine große Informationstafel über Susis und Moritz’ Abschied sowie ihre neue Heimat in Ungarn.

Der Zoo von Veszprém im Profil

Der Kittenberger Zoo in Veszprém ist Mitglied des Verbands Europäischer Zoos und Aquarien (EAZA), beteiligt sich wie die Wilhelma an internationalen Naturschutz-Kampagnen („Bushmeat“, Tiger etc.) sowie an Arterhaltungs- und Zuchtprogrammen (EEP, ESB). In Kooperation mit dem Nationalpark Balaton-Oberland versorgt und rehabilitiert er überdies verletzte Wildtiere im eigenen Rettungszentrum.

 

Pressefotos:

Bild 1: Portrait von Moritz  (Foto: Wilhelma)

Bild 2: Susi (Foto: Wilhelma)

Bilder 3 /4: Eines der Außengehege in der neuen Anlage für Schimpansen im Zoo von Veszprém. Die Bilder zeigen das kleinere, 1200 Quadratmeter große Gehege, in das bereits die beiden Schimpansen des ungarischen Zoos eingezogen sind. Im größeren Gehege (1700 qm) sollen Susi und Moritz einziehen und hier mit zwei anderen Westafrikanischen Schimpansen zusammengewöhnt werden.  (Fotos: Zoo Veszprém)

Bild 5: Ein Innengehege für die Schimpansen in Veszprém. (Foto: Zoo Veszprém)

Pressemitteilungen

PDF-Download