21.01.11

Orang-Utan Buschi ist tot

Die Wilhelma hat eine beliebte Tierpersönlichkeit und gleichzeitig ihren dienstältesten tierischen „Mitarbeiter“ verloren: den Orang-Utan-Mann „Buschi“. Er lebte bereits seit 1962 in der Wilhelma – also über 48 Jahre! – und wurde hier Vater von sieben Kindern. Wegen eines inoperablen, bösartigen Tumors im Oberkiefer musste er heute eingeschläfert werden, um ihm weiteres Leid zu ersparen.

Ungefähr drei Jahre alt war Buschi, als er vor 48 ½ Jahren, am 1. Juli 1962, in die Wilhelma kam. Damals war der Handel mit Menschenaffen noch erlaubt (seit dem ab 1973 eingeführten Washingtoner Artenschutzabkommen ist er das zum Glück nicht mehr), und auch Buschi wurde als Jungtier in Sumatra gefangen. Als er jetzt im Alter von über 51 Jahren starb, war er einer der vier letzten männlichen Sumatra-Wildfänge Europas (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm EEP), alle anderen 150 heute im EEP erfassten Vertreter dieser Art wurden bereits in Zoos geboren. Mit  Buschis Tod sind nur noch drei der einst wild gefangenen Orangs übrig, darunter der etwa ein Jahr ältere „Charly“ in Frankfurt, der bis 1978 ebenfalls in der Wilhelma zu Hause war. Charly und Buschi hielten auch den Altersrekord im EEP, nur ein Weibchen wurde älter: Es starb 2007 53-jährig im Zoo Osnabrück.

Heute musste Buschi nun eingeschläfert werden, da gegen den wuchernden, bösartigen Tumor im Oberkiefer auch eine Operation nichts mehr ausrichten konnte. Die gesamte Belegschaft der Wilhelma wird den langjährigen „Kollegen“ im Menschenaffenhaus jedenfalls sehr vermissen, ebenso viele Besucher. Gleichzeitig ist die Wilhelma froh, dass Buschi so lange – und bis auf altersbedingte Zahnprobleme auch stets gesund – im Menschenaffenhaus gelebt hat. „Er war ein lieber Typ“, versucht  einer der trauernden Tierpfleger ihn kurz zu beschreiben. „Buschi war einfach Buschi, mehr braucht man über ihn nicht zu sagen.“ 

Sieben Kinder hat Buschi im Laufe seines Lebens in der Wilhelma gezeugt, sechs davon mit Suma, die bis zu ihrem Tod 1994 Buschis Gefährtin war. Insgesamt sind aus seiner direkten Nachkommenschaft heute noch zwei Töchter, vier Enkel und zwei Urenkel in Zoos weltweit zu finden. Seine beiden Töchter Moni und Carolin sowie die Enkelin Conny leben nach wie vor in Stuttgart. In ihnen wird Buschi also in gewisser Weise weiterleben. Und vielleicht  klappt es ja, dass der 15-jährige zweite Orang-Mann der Wilhelma, Moritz, bald gemeinsam mit der 18-jährigen Conny ein weiteres Urenkelkind von Buschi zeugt. Zudem wird das Rosensteinmuseum zumindest Buschis Körper für die Nachwelt erhalten. Bleibt nur die Hoffnung, dass die schwer bedrohten Orang-Utans nicht eines Tages nur noch in Zoos oder Museen existieren werden.

 

Pressefotos

Bild 1/2: Ein starker Charakter: Buschi, der zweitälteste Sumatra-Orang-Utan in einem Zoo Europas ist am 21.01.2011 etwa 51-jährig in der Wilhelma gestorben. (Foto: Hermann Vollmer) 

Bild 3: Alte Zeiten: Buschi (der Kleine, der sich links hinter der Schüssel versteckt), die Orang-Mädels Suma (Buschis spätere Partnerin) und Kiki sowie Charly (ganz links, heute Zoo Frankfurt) bei einer Schaufütterung. Diese damals von der Direktion gewünschte, aber unnatürliche Art der Tierschau konnten die damaligen Pfleger Heinz und Gundi Scharpf zum Glück jedoch rasch wieder abschaffen. (Foto: Gerhard Gronefeld, 1962) 

Achtung Bildnachweis! Diese Bilder sind keine Wilhelma-Fotos!

 

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