05.09.2013

Ganz schön scharf

Im Wintergarten, dem Zentrum der historischen Gewächshäuser nach dem Haupteingang, geht es ab sofort und noch bis zum 18. Oktober 2013 ganz schön scharf zur Sache: Mit über 80 Chiliarten und -sorten zeigen die Wilhelma-Gärtner hier in einer kleinen Sonderausstellung die Vielfalt dieser Nachtschattengewächse. Damit haben sie die Zahl der farbenfrohen, feurigen Exponate gegenüber den Chili-Ausstellungen 2011 und 2012 nochmals deutlich erhöht.

Schon 7000 v. Chr. wurden Paprikas, von denen Chilis nur eine Spielart sind, in Mittel- und Südamerika kultiviert. Daraus hat sich bis heute eine unübersichtliche Formen- und Farbenvielfalt entwickelt. So unterschiedlich wie ihr Aussehen ist auch der Schärfegrad von Chilis: Die Bandbreite reicht von „fast nicht spürbar“ bis zu „höllisch scharf“. Schärfe wird nämlich nicht von den Geschmacksnerven wahrgenommen, sondern von Rezeptoren, die für Schmerzreize durch Hitze und chemische Stoffe zuständig sind. Verantwortlich für den jeweiligen Schärfe- bzw. Schmerzgrad einer Chili ist die Konzentration des sekundären Pflanzenstoffes Capsaicin. Gemessen wird die Schärfe in „Scoville“-Einheiten – benannt nach einem amerikanischen Pharmakologen – wobei die offizielle Skala von null bis eine Million Scoville reicht. Die Gemüsepaprika hat dabei höchstens zehn Scoville vorzuweisen, die Peperoni bis zu 500, Tabasco bis 5.000 und Cayenne-Pfeffer bereits bis zu feurigen 50.000 Scoville. Das aber ist immer noch ein „Klacks“ im Vergleich zur schärfsten Waffe, seit es Chilis gibt, der „Bhut Jolokia“, die es sogar auf über eine Million Scoville bringt. Bei einem handelsüblichen Pfefferspray verdoppelt sich diese Schärfe-Dosis allerdings nochmals, und würde man Capsaicin in reinster Kristallform bewerten, könnte dieses auch einen Schärfegrad von 15 bis 16 Millionen Scoville erreichen. Wie sehr eine Chili „feuert“, hängt aber nicht nur von der Sorte, sondern auch vom Standort ab: Je heißer, sonniger und trockener dieser ist, desto schärfer werden die Früchte.

Doch warum sind Chilis überhaupt scharf? Die Antwort: Sie wollen verhindern, dass ausgerechnet Säugetiere ihre Früchte fressen. Denn deren aggressiver Magensaft löst die Samen einfach auf, anstatt sie bei der Ausscheidung  weiter zu verbreiten. Vögel hingegen verdauen die Samen nicht, sind immun gegen die Schärfe des Capsaicin und sorgen so bei den Wildformen der Paprika und Chili bereitwillig für deren Vermehrung. Weiterer Vorteil für die Pflanze: Vögel legen schneller weitere Strecken zurück als Säugetiere und haben bei der Verbreitung daher eine noch bessere Reichweite.

Übrigens: Die Früchte der Chilis als Schoten zu bezeichnen, wie es häufig geschieht, ist aus botanischer Sicht völlig falsch. Denn Chili-Früchte werden von Fachleuten zu den Beeren gezählt. Ihrer Formenvielfalt sind fast keine Grenzen gesetzt: von schmal-zylindrisch bis rund ist jedes Format zu finden. In der Wilhelma-Ausstellung lässt sich diese Vielfalt der Chilis nun bis Mitte Oktober in Ruhe bestaunen. Aber Vorsicht: Die scharfen Früchtchen besser nur anschauen und nicht anfassen. Denn den Schärfegrad sieht man einer Chili von außen nicht an.

Pressefotos

Bild 1: Die Gärtner sorgen täglich dafür, dass sich die über 80 Chiliarten und -sorten in der Sonderschau der Wilhelma von ihrer besten Seite zeigen.

Bild 2: Klein aber oho: Die „Chupetinha“ stammt aus Brasilien und hat es mit über 100.000 Scoville in sich.

Bild 3: Bei dieser Sorte ist der Name „Trinidad Scorpion Orange“ Programm: Ihre Schärfe ist mit über 800.000 Scoville so schmerzhaft wie der Stich eines Scorpions.

Fotos: Wilhelma Stuttgart

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