06.05.15

Nachruf auf Prof. Dr. Wilbert Neugebauer

25. September 1924 bis 02. Mai 2015

Am 02. Mai 2015 verstarb der ehemalige Wilhelmadirektor Prof. Dr. Wilbert Neugebauer in seinem 91. Lebensjahr.

Ein Nachruf von Prof. Dr. Dieter Jauch, Direktor der Wilhelma von 1989 bis 2013.

Geboren am 25. September 1924 und aufgewachsen im böhmischen Reichenberg (heute Liberec), zog Wilbert Neugebauer schon früh die Natur in ihren Bann. Bereits während seiner Gymnasialzeit verfolgte er vor allem entomologische Interessen, erwarb sich aber auch rasch ein umfassendes zoologisches Wissen. Und auch die übrigen Naturwissenschaften faszinierten ihn.

Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft verschlug es den jungen Mann nach Stuttgart, wo er bald eine neue Heimat fand. An der Universität Stuttgart studierte er von 1949 bis 1956 Zoologie, Botanik, Chemie und Geografie, 1961 promovierte er mit einer entomologischen Arbeit über „Wirkungen der Exstirpation und Transplantation der Corpora allata auf den Sauerstoffverbrauch, die Eibildung und den Fettkörper von Carausius (Dixippus) morosus Br. et Redt“.

Früh schon begeisterte ihn die Wilhelma, bei der er seit 1955 beschäftigt war. Er war dem damaligen Direktor Albert Schöchle mit seinem Wissen und seiner Einsatzfreude aufgefallen. Damit hatte er seinen Traumberuf Tiergärtner gefunden, denn schon als Fünfjähriger hat er nach eigenem Bekunden beschlossen, Zoodirektor zu werden. Zunächst als Assistent, dann als ständiger Stellvertreter von Albert Schöchle, schuf er die konzeptionellen Grundlagen für den späteren Ausbau der Wilhelma zum modernen zoologisch-botanischen Garten. In diese Zeit fallen der Ausbau der ersten Nachttierabteilung in einem Zoologischen Garten und der Bau des Wilhelma-Aquariums, damals eines der größten und wohl das modernste Schauaquarium weltweit, das rasch internationale Anerkennung fand, auch wegen seiner Haltungs- und Nachzuchterfolge, insbesondere von tropischen Meeresfischen. Das Wilhelma-Aquarium schuf die Basis für den schnellen weiteren Ausbau des Parks.

Von 1970 bis zu seinem Ruhestand 1989 war Wilbert Neugebauer Direktor der Wilhelma. Es war eine fruchtbare Zeit. Rastlos hat er weiter am Ausbau „seiner“ Wilhelma gearbeitet, bis zum letzten Tag im Amt: Menschenaffenhaus, Schwingaffenhaus, Gehege für Dscheladas und Rotgesichtsmakaken, Südamerikaanlage, Greifvogelvolieren, Gehege für Afrikanische Huftiere, Subtropenterrassen, Jungtieraufzuchthaus beweisen das. Eine große Enttäuschung war für ihn, dass sein Traum, die Bärenanlage, nicht mehr in seiner Amtszeit fertig geworden ist. Aber er hat damit auch geschafft, dass die Aufbauarbeit in der nächsten Generation ohne Unterbrechung weitergehen konnte.

Seiner enormen Artenkenntnis verdankt die Wilhelma einen wertvollen Tierbestand. Ohne ihn gäbe es die berühmten Zuchtgruppen der Menschenaffen, Okapis, Hirscheber und viele andere nicht. Wenn sich der Zoodirektor seine Wünsche erfüllt, wird das für die Besucher gelegentlich langweilig. Wilbert Neugebauer verband Publikumslieblinge geschickt mit zoologischen Kostbarkeiten.

Auch der botanischen Sammlung der Wilhelma ließ er seine Fürsorge angedeihen.

Seine Begeisterung für die Tierwelt hat er auch als Lehrer an der Universität Stuttgart und in zahlreichen populärwissenschaftlichen Beiträgen, etwa im Rundfunk, weitergegeben. Jahrelang berichtete er in der Aquarien- und Terrarienzeitschrift über „Neues aus dem Wilhelma-Aquarium“. Und seine profunde Kenntnis über die Wilhelma hat schließlich zum inzwischen leider vergriffenen Buch „Die Wilhelma – ein Paradies in der Stadt“ geführt.

Auch als Fachautor ist Wilbert Neugebauer hervorgetreten. Aber er musste sich schließlich entscheiden, ob er bauen oder schreiben wollte. Der von ihm vorangetriebene Wilhelma-Ausbau ließ anderes nicht zu. Dass er sich hier der Pflicht gefügt hat, kann nicht hoch genug geachtet werden, vor allem, wenn man einmal erlebt hat, wie begeistert und begeisternd er von Tieren und Pflanzen erzählt hat.

Seine pädagogischen Interessen haben 1975 auch zur Gründung der Zooschule in der Wilhelma geführt, der zweiten festen Einrichtung dieser Art in einem deutschen Zoo.

Wilbert Neugebauer hat den europäischen Zooverband EAZA mitbegründet und in den Anfangsjahren auch die europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) geleitet.

Für sein unermüdliches Wirken für die Wilhelma wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Wilhelma dankt Prof. Dr. Wilbert Neugebauer für seine Lebensleistung und wird ihm immer ein ehrendes Gedenken bewahren.

Bild: Prof. Dr. Wilbert Neugebauer. Foto: Wilhelma

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