16.06.18

Erster Ansatz für eine Titanwurz-Blüte zeigt sich wieder nach sieben Jahren

Eines der seltensten Erlebnisse in der Pflanzenwelt bahnt sich in der Wilhelma an. Die berühmteste Pflanze unter den mehr als 8000 Arten und Sorten des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart strengt sich an, nach sieben Jahren erstmals wieder eine Blüte hervorzubringen – und was für eine! Die Titanwurz bildet einen der größten Blütenstände der Welt aus. Er erreicht innerhalb von nur zwei Wochen mehr als zweieinhalb Meter Höhe. Und dann blüht dieser Sonderling von der indonesischen Insel Sumatra nur eine Nacht, stinkt dabei erbärmlich und heizt sich auf mehr als 30 Grad auf. So täuscht die pfiffige Pflanze vor, ein Tierkadaver zu sein. Denn ihr Ziel ist, Fliegen anzuziehen, die für sie die Bestäubung übernehmen. Weil dies so kraftraubend ist, bringt die Amorphophallus titanum die meiste Zeit nur einen Stängel mit Blättern hervor, um Energie zu tanken. Alle Jubeljahre, wenn die viele Kilo schwere Knolle stark genug geworden ist, kommt es zu dem bemerkenswerten Schauspiel.

Für die Gärtner der Wilhelma war am vergangenen Dienstag, 12. Juni, erstmals erkennbar, dass der Sproß in diesem Jahr kein Blattstängel, sondern ein Blütenstand werden wird. Seither geht es rasant voran. Jeden Tag schießt das Hochblatt etliche Zentimeter nach oben. „Unsere Überraschung war groß, denn die Knolle wiegt nur elf Kilo“, sagt Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik. „In der Fachwelt erwarten wir einen Blütenwuchs erst bei Knollen ab 30 Kilo. Jetzt lassen wir uns überraschen und sind äußerst gespannt, was eine Kleine unter den Titanwurzen schaffen kann.“ An den Weltrekord in der Wilhelma von 2005 dürfte die jetzige Pflanze wohl nicht heranlangen. Der eigenwillige Star war damals wegen seiner Unberechenbarkeit von den Gärtnern liebevoll „Diva“ genannt worden und hatte satte 40 Kilo auf die Waage gebracht. Sie erreichte 2,94 Meter Höhe und übertraf deutlich die damalige Bestmarke von 2,76 Meter, die im Botanischen Garten in Bonn gemessen worden war. Als Rekord gilt heute eine Titanwurz-Blüte 3,10 Meter, die der Pflanzenzüchter „Winnipesaukee Orchids“ in New Hampshire (USA) 2010 hervorgebracht hat.

Weitere Blüten gab es in der Wilhelma relativ rasch hintereinander 2008 und 2011. Möglicherweise hat sich die Pflanze dabei übernommen. Die jetzt gedeihende Titanwurz ist nicht mehr die „Diva“, sondern eine Nachzucht. Damit die Besucher der Wilhelma an diesem botanischen Spektakel teilhaben können, ist die Titanwurz gestern, Freitag, 15. Juni, von ihrem Dauerquartier hinter den Kulissen an präsentable Stelle im Schmetterlingshaus gebracht worden. Dort können die Gäste zusehen, wie das Aronstabgewächs täglich sichtbar größer wird. Derzeit ist es etwas über einen Meter groß. Eine Schautafel erläutert die zu erwartende Entwicklung. Üblicherweise geht das Wachstum zehn Tage lang sehr rasch. Fünf Tage vor der Blüte beginnen die Nebenblätter zu welken. An den letzten vier Tagen kommen nur noch wenige Zentimeter hinzu. Am Tag vor der Blütenöffnung tritt Flüssigkeit aus. Das ganz spezielle Vergnügen mit Nachtblüte und Gestank dürfte, wenn alles nach Plan gehen sollte, um den 27./28. Juni liegen. Danach verwelkt die Blüte rasch. (kni)

Pressefotos

Bilder 1-2: Die Titanwurz ist jetzt in der Schmetterlingshalle zu sehen. Bei einer Größe von einem Meter zeigte sich, dass aus dem Spross diesmal ein Blütenstand wird. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Susann Hänig aus Ravensburg gehörte mit ihrer Tochter zu den ersten Besuchern, die am Freitag die Titanwurz in der Schmetterlingshalle entdecken konnten. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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