21.06.18

Titanwurz "Alberich" avanciert zu einem der kleinsten Riesen Europas

Der Laie staunt und der Experte wundert sich: Erstmals seit sieben Jahren bildet eine Titanwurz der Wilhelma in Stuttgart eine Blüte aus und gibt Rätsel auf. Die als unberechenbar geltende Vorgängerin – „Diva“ genannt – hatte durch gigantische Blütenausmaße mit fast drei Metern Höhe international von sich reden gemacht. Der neueste Spross im Zoologisch-Botanischen Garten ist dagegen eigentlich viel zu jung dafür und bleibt offenbar ein Knirps.

„Die Knolle brachte mit elf Kilo nur etwa ein Drittel von dem Gewicht auf die Waage, das normalerweise benötigt wird, um eine der Riesenblüten auszubilden“, sagt Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik. „Dass die frühreife Pflanze das schafft, ist außergewöhnlich. Wir steuern darauf zu, dass es einer der kleinsten Titanwurz-Blütenstände wird, die jemals in Europa dokumentiert wurden.“ Dafür müsste der Blütenstand unter 1,40 Meter bleiben. Weil sie in dieser Dimension nicht gerade nach einem Titan aussieht, haben die Wilhelma-Mitarbeiter ihr den Namen „Alberich“ gegeben. „Der König unter den Zwergen ist ein passender Namenspatron“, meint Schäfer mit Blick auf die germanische Mythologie.

Dennoch vollbringt das Gewächs Großes: Nachdem die Gärtner am Dienstag, 12. Juni, erstmals erkennen konnten, dass die Knolle dieses Jahr kein Blatt, sondern eine Blüte bildet, konnte man dem Spross fast beim Wachsen zusehen. Von Tag zu Tag hat er jeweils vier bis 7,5 Zentimeter an Höhe gewonnen. Der pfahlförmige Blütenstandskolben brachte es heute, Donnerstag, 21. Juni, morgens auf 1,14 Meter: ein echter Kraftakt. Doch da eine Titanwurz nur die ersten zehn Tage schnell wächst, dürfte sie weniger als die Hälfte der normalen Größe von zweieinhalb Metern erreichen. Offenbar durchläuft der Jüngling regulär alle Phasen der Blütenstandsbildung, nur etwas schneller als gewöhnlich. Seit Mitte dieser Woche welken bereits die Niederblätter und das noch grüne Hochblatt beginnt am Saum, die typische Färbung in Braunpurpur anzunehmen. Beides sind Anzeichen, dass die nur eine Nacht dauernde Blüte in zirka fünf Tagen ansteht. Dann könnte es nicht am errechneten Termin, dem 27./28. Juni, sondern bereits am Sonntag oder Montag, 24./25. Juni, so weit sein. Der Countdown läuft also, nur keiner weiß genau wie lange.

Falls sich der rätselhafte „Alberich“ nicht bis zum Schluss tarnen sollte, sondern rechtzeitig preisgibt, wann er den Blütenstand öffnet, plant die Wilhelma, für das extrem seltene Schauspiel das Schmetterlingshaus, wo er derzeit residiert, bis Mitternacht zu öffnen. Denn der spektakuläre Lebenslauf einer Titanwurz hat seine dunklen Seiten. Wenn dieser Sonderling von der indonesischen Insel Sumatra zirka alle sieben Jahre einmal blüht, dann nur für eine Nacht. Die Amorphophallus titanum stinkt dabei erbärmlich und heizt sich auf rund 38 Grad auf. So täuscht die pfiffige Pflanze vor, ein verwesender Kadaver zu sein. Ihr Ziel ist, Insekten anzuziehen, die für sie die Bestäubung übernehmen. Lassen sich die Tiere täuschen und legen ihre Eier dort ab, ist deren Nachwuchs verloren. Denn die schlüpfenden Larven werden verhungern. Als Pflanze, die ihre Bestäuber nicht belohnt, zählt man die Titanwurz zu den Täuschblumen. (kni)

Pressefotos

Bild 1: Aktuell ist die Titanwurz am Donnerstag, 21. Juni, 1,14 Meter hoch. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik, schaut jeden Tag nach der Titanwurz. Diese Aufnahme entstand am Dienstag, 19. Juni. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Susann Hänig aus Ravensburg gehörte mit ihrer Tochter am Freitag, 15. Juni, zu den ersten Besuchern, die diese außergewöhnliche Pflanze sehen konnten. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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