18.02.19

Mit einem Euro bedrohte Tierarten retten: Wilhelma verstärkt Engagement für Artenschutz weltweit

Bekannt ist die Wilhelma für viele selten gewordene Tiere. Der Zoologisch-Botanische Garten züchtet nicht nur bedrohte Arten in Stuttgart, sondern setzt sich auch weltweit dafür ein, dass deren Artgenossen in ihren ursprünglichen Lebensräumen geholfen wird. Hierbei beschreitet die Wilhelma jetzt neue Wege und will dem internationalen Engagement für den Artenschutz gemeinsam mit ihren Besucherinnen und Besuchern zusätzlichen Schwung verleihen. Neue Projekte und Strategien hat sie bei einer Pressekonferenz am Montag, 18. Februar, vorgestellt. Dazu gehören der ganzheitliche Regenwaldschutz, Nothilfe für die letzten Sumatra-Nashörner, eine breitere Spendenbasis über den in anderen Zoos bereits bewährten Artenschutz-Euro sowie ausführlichere Informationen über die Verteilung der Gelder.

Unter Dr. Thomas Kölpin, der seit 2014 Direktor ist, hat die Wilhelma ihre Anstrengungen für den Artenschutz deutlich verstärkt. Dank vieler kreativer Fundraising-Aktionen stieg der jährliche Erlös, der zuvor bei rund 30.000 Euro lag, in diesen fünf Jahren auf zuletzt 80.000 Euro an, wie der Kassensturz 2018 ergeben hat. Für den guten Zweck gab es zum Beispiel originelle Spendenboxen, Lotterien, Geschenkbasare, den Verkauf von fair gehandelter Schokolade und das Recycling alter Handys. „Es ist großartig, wie unsere Gäste dieses Engagement für den Artenschutz mittragen, indem sie bei den Aktionen mitmachen“, sagt Kölpin. „Sie helfen dadurch mit, dass die Tierarten, die sie bei uns erleben können, in ihren Herkunftsregionen nicht aussterben.“ Deshalb hat der Direktor den Grundsatz verankert, dass zu jeder neuen Großanlage im Zoologisch-Botanischen Garten jeweils der Einsatz für ein Schutzprogramm vor Ort gehören soll. So fördert die Wilhelma seit Eröffnung des neuen Schneeleoparden-Geheges 2018 ein Projekt des Naturschutzbundes NABU in Kirgisien. Der unterstützt dort die Patrouillen gegen Wilderer.

Insgesamt fließen die Spendengelder an mehr als ein Dutzend Organisationen weltweit. Um die Gäste stärker einzubeziehen, legt die Wilhelma künftig am Eingang einen Flyer aus, der die Projekte kurz vorstellt. Jedes Artenschutz-Programm wählt die Wilhelma nach fachlichen Kriterien individuell aus, begleitet es über Jahre und kann so den Erfolg messen. „Das Engagement erfordert einen langen Atem, aber es wirkt, wenn man am Ball bleibt und konsequent vorgeht“, berichtet Stefanie Reska, die bei der Wilhelma für die Artenschutz-Aktivitäten zuständig ist. Im Virunga-Nationalpark in Zentralafrika etwa ist während der sieben Jahre, in denen die Wilhelma die Spürhundestaffel „Congohounds“ der Parkranger unterstützt, die Zahl der bedrohten Berggorillas von 880 auf rund 1000 gestiegen. „Das ist selbstverständlich nicht allein unser Verdienst“, sagt Reska. „Aber die Hundestaffel macht die Situation in dem Park sicherer, das spiegelt sich auch in der ansteigenden Gorillazahl wider.“ Auf Borneo hilft die Wilhelma bei der Wiederaufforstung eines Rodungsgebiets in Lamandau. Der Wald ist inzwischen so regeneriert, dass dort erste Orang-Utans wieder ausgewildert werden können. Sie haben sogar schon eigenen Nachwuchs bekommen.

Ganzheitlicher Regenwaldschutz

Ganz neue Wege beschreitet die Wilhelma bei einem Projekt in dem mittelamerikanischen Land Belize. Da engagiert sich das „Shipstern“-Reservat nicht für einzelne Tierarten, sondern den Erhalt des gesamten Lebensraums. Zwar gibt es dort charismatische Großtiere wie Jaguar und Bairds Tapir, doch der ganzheitliche Ansatz soll allen heimischen Pflanzen und Tieren zugutekommen. Die Wilhelma konnte einer Nicht-Regierungs-Organisation, der Corozal Sustainable Future Initiative (CSFI) ermöglichen, Regenwaldflächen aufzukaufen. Das verhindert dauerhaft, dass dieser Regenwald gerodet wird. Strategisch soll hier ein Landkorridor erhalten bleiben, der die zunehmend zerstückelten Lebensräume der Tiere miteinander verbindet. So können deren Populationen wandern und sich vermischen, was für die genetische Vielfalt extrem wichtig ist.

Der Gästeinformation zu diesem Zukunftsprojekt widmet die Wilhelma künftig den Ausgangsbereich des Amazonienhauses, den sie aktuell dafür umgestaltet. „Das Shipstern-Projekt hat ein enorm großes Potenzial“, sagt Reska. „Man könnte dort noch viel mehr bewirken. Aber der Umfang unseres Engagements ist natürlich von den finanziellen Möglichkeiten begrenzt.“ Deshalb war es für den Einstieg bei „Shipstern“ ein wichtiger Schritt, dass die Wilhelma 2018 erstmals zusätzlich zu den Spenden der Besucherinnen und Besucher aus eigenen Mitteln einen Zuschuss für die internationalen Artenschutz-Projekte leisten konnte.

Nothilfe für Sumatra-Nashörner

Neu in ihr Förderprogramm nimmt die Wilhelma 2019 eine Maßnahme zur Rettung der Sumatra-Nashörner auf. „Für das Sumatra-Nashorn ist es wenige Sekunden vor Zwölf“, betont Direktor Kölpin. „Das ist absolute Nothilfe.“ Es sind nur noch weniger als 80 Tiere bekannt und diese leben aufgesplittert in kleine Gruppen in zehn getrennten Gebieten auf zwei indonesischen Inseln. „Wenn man nicht sofort, konsequent und nachhaltig eingreift, können die letzten Sumatra-Nashörner binnen kürzester Zeit unwiederbringlich von der Erde verschwunden sein“, sagt Kölpin. Ansatz der Rettungsaktion ist es, alle verbliebenen Tiere aufzuspüren und sie in drei Reservaten mit Zuchtstationen einander näherzubringen, um reelle Chancen auf ausreichend Nachwuchs herzustellen.

Um einen anhaltenden Effekt zu haben, müssen die geschützten Lebensräume sich langfristig erholen und die Tierpopulationen über Generationen anwachsen können. Daher brauchen die Trägerorganisationen eine solide Finanzierungsgrundlage, mit der sie kalkulieren können. „Das Spendenaufkommen durch punktuelle Fundraising-Aktionen ist grundsätzlich Schwankungen unterworfen“, so der Direktor. „Um den Artenschutz-Projekten ein verlässlicher Partner zu sein, möchten wir eine breitere und dauerhafte Spendenbasis erreichen. Dafür erfinden wir das Rad nicht neu, sondern folgen dem Beispiel anderer Zoos mit dem Modell des Artenschutz-Euros.“ Basel, Karlsruhe, Leipzig und Dresden räumen bereits mit Erfolg ihren Gästen die Möglichkeit ein, auf einfache Weise gleich mit dem Kauf ihrer Eintrittskarte einen kleinen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. „Für diesen freiwilligen Aufschlag schlagen wir einen Euro pro Erwachsenen vor“, sagt Kölpin. „Als reine Spende kann jeder an der Kasse entscheiden, ob er diesen Artenschutz-Euro zahlen will.“ Bei Jahreskarten, die preislich etwa drei Tageseintritten entsprechen, schlägt die Wilhelma einen Obolus von drei Euro für die Rettung der bedrohten Tiere vor. An Kinder richtet sich dieser Aufruf nicht.

„Wir hoffen, dass möglichst viele Tierfreunde mit uns an einem Strang ziehen“, erklärt Kölpin. „Wir sorgen mit unserer Fachkenntnis und unseren Kontakten rund um den Globus dafür, dass die Spenden richtig eingesetzt werden – und zwar ohne jeden Abzug für Personal oder Verwaltung.“ Aus erster Hand können sich die Besucherinnen und Besucher über die Programme jedes Jahr am Artenschutztag informieren: Am Pfingstmontag stellen die Kooperationspartner ihre Projekte in der Wilhelma an Infoständen persönlich vor. (kni)

Pressefotos

Bild 1: Der Nachwuchs ist bei den Sumatra-Nashörnern extrem kostbar, weil von dieser Art nur noch weniger als 80 Tiere existieren. Foto: International Rhino Foundation

Bild 2: Die Grenze zwischen dem Regenwaldschutzgebiet und dem Farmland in Belize könnte nicht drastischer ausfallen. Foto: ITCF/CSFI

Bild 3: Zu den Tieren, die vom Schutz des Regenwalds in Belize profitieren, gehören die Fischertukane. Foto: ITCF/CSFI

Bild 4: Die Zahl der Berggorillas im Virunga-Nationalpark nimmt langsam wieder zu. Foto: Stefanie Reska

Bild 5: Für die Hundestaffel der Ranger im Virunga-Nationalpark hat die Wilhelma mit Spenden ihrer Besucherinnen und Besucher unter anderem ein Geländefahrzeug finanziert. Foto: Stefanie Reska

Bild 6: Die Wilhelma unterstützt Artenschutz-Projekte weltweit. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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