30.09.19

Kahnschnabel-Jungvögel: Markanter Sonderling unter den Reihern

Sehr spezielle Gesellen aus der vielseitigen Vogelschar in der Wilhelma präsentieren erstmals seit zehn Jahren Nachwuchs. „Nomen est omen“ gilt bei den Kahnschnäbeln: Ihr langer, breiter Schnabel erscheint wie ein umgekehrter Bootsrumpf. So ähneln sie dem im zentralen Afrika beheimateten Schuhschnabel. Doch zählen diese Mittel- und Südamerikaner zur Familie der Reiher – der Nachtreiher genauer gesagt, denn meist gehen sie erst ab der Abenddämmerung auf die Jagd. Für optimale Nachtsicht haben sie auffällig große Augen, die hervorstehen. Zusammen mit ihrer „großen Klappe“ und der Federhaube, die sie aufstellen können, geben sie ein ulkiges Bild ab. Den ungewöhnlichen Gesamteindruck runden ihre Rufe ab, die an Froschlaute erinnern. Im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart sind sie in einer Außenvoliere der Freifluganlage mit den Rosalöfflern und verschiedenen Entenarten aus Südamerika anzutreffen.

Vor vier Wochen haben Tierpfleger die Küken entdeckt. Vor kurzem haben die beiden Jungvögel das Nest verlassen. Kahnschnäbel bevorzugen als Wohnlage die Halbhöhe der Bäume in Mangrovenlandschaften und Urwäldern an Flussufern. Anders als ihre Eltern haben die Jungvögel noch keine weißgrauen Deckfedern, sondern sind bis auf den Bauch braun gefiedert. Auch ist ihre Frisur noch recht kurz. Bei den erwachsenen Vögeln reichen die langen schwarzen Kopffedern über der weißen Stirn und den Wangen wie ein Zopf weit den Nacken hinunter. Die Männchen spreizen sie in der Balz und im Wettstreit mit Rivalen zu einem Fächer über den Kopf. Das auffälligste Merkmal ist bei den Nachkommen aber bereits gut ausgeprägt: Kein anderer Reiher besitzt einen solch breiten schaufelartigen Schnabel, der acht Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit wird. Damit können die Sonderlinge bei Gefahr und bei der Brautschau wie die Störche klappern. Bei einer Körperlänge von an die 50 bis 60 Zentimeter wirkt der Schnabel sehr markant.

Während die Verwandten mit ihren dünnen dolchartigen Schnäbeln nach Beute stochern können, nutzt der Kahnschnabel sein Werkzeug zum Schöpfen, wenn er Krebse, Insekten oder kleine Fische aufnimmt. Die beiden Hälften des Unterschnabels verbindet eine dehnbare Haut, wie beim Kehlsack des Pelikans. Bei der Jagd verharrt der Vogel oft bewegungslos am Ufer oder auf überhängenden Ästen, beobachtet das Wasser intensiv und stößt blitzschnell zu, wenn sich ein Beutetier in erreichbare Nähe wagt. Die Wilhelma hält insgesamt rund 220 Vogelarten. Darunter sind die Kahnschnäbel seit 2001 im Bestand. In der kleinen Kolonie leben derzeit vier Männchen und ein Weibchen. Das Geschlecht der Jungvögel ist noch nicht bekannt. (kni)

Pressefotos

Bild 1: Das Kahnschnabel-Brutpaar (links) hat zwei Jungvögel (rechts und hinten) aufgezogen. Fotos: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Etwas erhöht sitzend behält der Muttervogel den Nachwuchs im Blick, der nach Beutetieren im Wasser sucht. Fotos: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Als Reiher warten Kahnschnäbel oft unbeweglich am Wasserrand darauf, dass Beutetiere vorbeischwimmen. Fotos: Wilhelma Stuttgart

Bild 4: Bei dem Muttervogel ist der bei den Kahnschnäbeln für Reiher untypisch breite Schnabel gut zu erkennen. Fotos: Wilhelma Stuttgart

Bild 5: Beim Jungvogel ist das Deckgefieder noch braun. Den breiten Schnabel und die großen Augen besitzt er schon. Fotos: Wilhelma Stuttgart

 

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