21.10.20

Damenwahl bei Dscheladas: Neue Herrenriege auf dem Affenfelsen angekommen

„Harem wählt Pascha“: So plakativ ließe sich der Wechsel an der Spitze der Dscheladas in der Wilhelma fassen. Denn bei den Blutbrustpavianen im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart gibt es ein Machtvakuum zu beheben. Zwei neue Affenmänner sind vor rund zehn Wochen eingezogen, um diese Lücke zu füllen. Doch müssen die beiden erst noch in ihre Rolle hineinwachsen. Ausgewählt hat die jungen Halbbrüder „Achim“ und „Johann“ der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), um frisches Blut, also mehr genetische Vielfalt, in die Wilhelma-Zuchtlinie zu bringen.

Die aus den Bergen Äthiopiens stammenden Blutbrustpaviane bilden innerhalb einer großen Herde mehrere Haremseinheiten. Jeweils einen erwachsenen Mann umgibt eine Gruppe von Weibchen, mit der er für Nachwuchs sorgt. Dafür, wem sie sich zuordnen, geht die Initiative von den Weibchen aus. Dafür muss er Führungsstärke beweisen, Streit schlichten und gegebenenfalls die Verteidigung übernehmen. In den letzten Jahren fielen diese Aufgaben den bisherigen Anführern Hope und Haryon zu. Sie waren 2013 aus dem Zoo Zürich nach Stuttgart gekommen und hatten seither zahlreiche Kinder gezeugt. „Sie waren aber keine idealen Leitfiguren“, sagt der Tierpfleger Mathias Roese. „Es gab öfter Durcheinander auf der Felsenanlage. Und normalerweise führt das Männchen auch seine Weibchen abends ins Innengehege und lässt sie nicht alleine draußen. Das klappte öfters nicht so recht.“

Haryon ist inzwischen mit seiner Gefolgschaft nach England „ausgewandert“ in den Yorkshire Wildlife Park in der Nähe von Sheffield. Und Hope hat die Wilhelma Richtung Besançon in Ostfrankreich verlassen. Die neuen Dschelada-Männer kommen aus Westfalen. Der NaturZoo Rheine und die Wilhelma pflegen einen engen Austausch. Die beiden Einrichtungen zählen seit Jahrzehnten zu den Säulen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für diese Affenart. In der Natur lebt sie im Hochland von Äthiopien in 1800 bis 4400 Metern Höhe auf Gebirgswiesen und in Felsschluchten, wo sie sich vor allem von Gräsern und Samen ernährt. Ihr geschätzter Wildbestand von 200.000 Tieren geht seit den 1970er Jahren zurück – nicht zuletzt wegen der immer häufigeren Dürren in der Region am Horn von Afrika.

Achim ist der aktuelle Favorit

In der Wilhelma-Gruppe toben aktuell rund zwei Dutzend Tiere über Stock und Stein. Im Wettbewerb um die Vorherrschaft gibt es aktuell einen Favoriten. Der sechs Jahre und zehn Monate alte Achim ist dem elf Monate jüngeren Johann optisch deutlich voraus auf dem Weg zum echten Mannsbild. Dazu gehört bei Dscheladas eine stattliche Mähne, die erwachsene Männer bei den Blutbrustpavianen wie eine Kutte tragen. So hat Achim vorerst einen erkennbar besseren Stand bei den Weibchen, die seine Nähe suchen, während Johann öfter allein sitzt. Aber der Jüngere holt auf. Auch bei ihm haben die Hormone eingesetzt und sein Fellmantel sprießt sichtbar. „Körperlich ist Johann sogar schon der Kräftigere“, sagt die Affenkuratorin Marianne Holtkötter. „Selbst wenn er zurückhaltend auftritt, ist es Johann, der abends die Weibchen ins Innengehege holt. Noch haben sich die Gruppen nicht gebildet. Die Wahl liegt – wie im Tierreich oft – bei den Damen. Und die lassen sich Zeit. Wir sind gespannt, wer von beiden letztlich den größeren Harem haben wird.“ (kni)

Pressefotos

Bild 1: Achim hat schon Anschluss gefunden. An der so genannten Perlenkette am Hals eines Weibchens ist bei den Blutbrustpavianen zu erkennen, dass es empfängnisbereit ist. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Etliche Weibchen und Jungtiere scharen sich um den neuen Mann, Achim. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Das „Grooming“ erfolgt als soziale Interaktion oft in der Gruppe. Bei der langen Mähne des neuen Mannes, Achim, lohnt sich diese Fellpflege besonders. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 4: Von den beiden neuen Männern bei den Dscheladas ist der etwas ältere, Achim (hinten links), bereits gut integriert. Der jüngere, Johann (vorne rechts), sitzt bisher öfters abseits. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 5: Noch muss sich der jüngere Dschelada-Mann, Johann, um seine Fellpflege alleine kümmern. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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