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Geschichte der Wilhelma

Am Anfang war der Garten -  genauer gesagt der Park: In den 1820er Jahren erwirbt der königliche Haushalt das Areal unterhalb des Neckarhangs, wo der Rosensteinpark nach Entwürfen von J. W. Bosch entsteht. Nach der Fertigstellung im Jahr 1829 wurden dort Mineralquellen endeckt, woraufhin der herrschende König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) aus dem reinen Park eine Wellnessanlage mit „Badhaus“ formen möchte.

So entwickelt sich nach und nach der historische Teil der heutigen Wilhelma. Aus dem Badhaus wird später ein Wohnhaus, ein Theater zum königlichen Vergnügen wird errichtet, Ummauerungen, Pfeilergänge und Gewächshäuser entstehen und die Gartenanlagen werden stetig erweitert. Vor allem Architekt Karl Ludwig von Zanth (1796-1857) liefert die meisten zur Umsetzung gebrachten architektonischen Entwürfe. Dabei wird auf Wunsch des Königs der sogenannte Maurische Stil eingesetzt.

19. Jahrhundert

1837

Architekt Karl Ludwig von Zanth wird mit der Planung beauftragt. Da der König zögert, die hohen Kosten für das ehrgeizige Vorhaben aufzubringen, sollen noch Jahre vergehen bis das erste Gebäude der Wilhelma fertig gestellt ist. Mehrfach ist das Projekt sogar von der Einstellung bedroht.

um 1842

Mit dem Bau des ersten Gebäudes wird begonnen, das auf Anweisung des Königs den Namen „Wilhelma“ bekommt. Der Architekt Zanth versteht es, den König für seine Ideen zu begeistern, so dass sie trotz aller Widerstände ausgeführt werden. So wird aus dem „Badhaus“ ein Wohngebäude mit mehreren Räumen, darunter einem Kuppelsaal und zwei angrenzenden Gewächshäusern mit je einem Eckpavillon.

30. September 1846 - Einweihung der Wilhelma

Die offzielle Einweihung Wilhelma findet zum Anlass der Hochzeit des Kronprinzen Karl mit der Zarentochter Olga Nikolajewna statt. Dabei sind die Erweiterungsarbeiten zu diesem Zeitpunkt bei weitem noch nicht abgeschlossen.

Aquarell von König Wilhelm I. in der Wilhelma (1858)
Das heutige Seerosenbecken und der Maurische Festsaal um 1900.

1851

Der Maurische Festsaal ist fertig. Die beiden Hauptgebäude werden durch einen gedeckten Wandelgang miteinander verbunden. Der Aussichtspavillon Belvedere steht nun auf der Anhöhe mit Blick zur Grabkapelle auf dem Württemberg-

1853

Mit dem Galeriegebäude und dem Wintergarten ist der Kernbereich der Wilhelma nach den Zanth'schen Planungen fertig gestellt. Dieses Jahr wird bei heutigen Jubiläumsfeiern zu Grunde gelegt.

1864

Mit der Fertigstellung der Damaszenerhalle nach den Plänen des Architekten Wilhelm Bäumer ist der Ausbau der historischen Wilhelma abgeschlossen. König Wilhelm I. erlebt die Fertigstellung nicht mehr. Er stirbt im gleichen Jahr, in dem auch die Anpflanzung der Mammutbäume erfolgt, heute bekannt als Wilhelma-Saat.

ab 1880 - erste Öffnung für Besucher

Nach dem Tod Wilhelms. I. dauerte es noch 16 Jahre, bis der Park einem weiteren Besucherkreis zugänglich wurde und nicht nur der königlichen Familie vorbehalten war. Ab 1880 konnte jeder unter Vorlage einer Berechtigungskarte, die allerdings nicht leicht zu erlangen war, die Wilhelma betreten.

20. Jahrhundert

1919

Die Wilhelma wird Staatsbesitz und als botanischer Schaugarten weitergeführt. Mit dem Ende der Monarchie in Deutschland werden die Parkanlagen endgültig für die Stuttgarter Bevölkerung geöffnet.

1944

Durch Bombenangriffe werden große Teile der Wilhelma stark zerstört. Das Maurische Landhaus, das ehemalige Wohngebäude des Königs, wird im Laufe der Jahre wiederhergestellt und zur Tropenhalle mit Glasdach und Gewächshäusern ausgebaut. Der zerstörte Maurische Festsaal wird nach damaligen Erwägungen bis auf das Portal abgetragen. Dieses Stück der Originalfassade ist integriert in das Nachfolgegebäude mit Aquarium und Terrarium sowie Krokodilhalle.

1949

Nach einigen Jahren Gemüseanbau für die Stuttgarter Krankenhäuser in der Nachkriegszeit eröffnet die Wilhelma am 19. März 1949 wieder für Gäste mit einer Azaleen-Ausstellung.

1952 - Der erste Zoologisch-Botanische Garten

Mit der Schau der „Afrikanischen Steppentiere“ 1951 kommen die ersten großen Säugetiere in die Wilhelma. Giraffen, Zebras und Antilopen machen den Anfang, es folgen die ersten Pinguine. 1952 findet die Ausstellung der „Indischen Dschungeltiere“ mit Elefanten und Tigern statt. Die Tiere bleiben nach den Schauen vor Ort. Was bei den Gästen sehr gut ankommt, wird vom Finanzministerium nicht gewünscht: Die wilden Tiere sollen verschwinden.

Um das zu verhindern, inszeniert der seit 1933 amtierende Direktor Albert Schöchle die Taufe eines Löwenbabys mit Finanzminister Frank als Taufpaten. Der Minister lässt sich auf diesen öffentlichkeitswirksamen Handel ein und spricht damit ein entscheidendes Machtwort, das den Fortbestand der Tiere sichert. Ab 1952 ist die Wilhelma somit offiziell zoologisch-botanischer Garten.

Zu den ersten Bewohnerinnen zählt Elefantendame Vilja - sie bezieht die Anlage mit etwa drei Jahren und lebt hier bis 2010, bevor sie mit über 60 Jahren als älteste asiatische Elefantin Europas stirbt.

Elefantedame Vilja mit ihren Taufpaten im Jahr 1953.

1967

An der Stelle des zerstörten Maurischen Festsaals wird das Aquarium-Terrarium mit der Krokodilhalle eröffnet. Ein Orang-Utan wird als erster Menschenaffe in der Wilhelma geboren.

1970

Wilbert Neugebauer, der seit 1955 in der Wilhelma arbeitet, wird Direktor des zoologisch-botanischen Gartens. Die jährliche Besucherzahl steigt von etwa 1,03 Millionen im Jahre 1960 auf mehr als 1,61 Millionen Besucher an.

1975

Die Felsanlagen für Affen und Klettertiere sind fertig gestellt. Die pädagogischen Angebote der Wilhelmaschule werden aufgenommen.

1982

In das Jungtieraufzuchthaus können die ersten Bewohner einziehen.

1989

Der Kurator für das Aquarium, Dieter Jauch, wird Direktor der Wilhelma.

1993

Die Vogelanlage zwischen Haupteingang und Gaststätte sowie der Schaubauernhof werden im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 1993 eröffnet.

21. Jahrhundert

2000

Das Albert-Schöchle-Amazonienhaus ist fertig -  unterstützt vom Wilhelma-Förderverein. Die Wilhelma erzielt einen Besucherrekord mit erstmals über 2 Millionen Besuchern nach den damaligen Berechnungsfaktoren.

2007

Die Bauplanung für die neue Anlage für Afrikanische Menschenaffen wird beauftragt. Im Dezember erblickt Wilbär als erster und einziger Eisbären-Nachwuchs Stuttgarts das Licht der Welt.

2013

Die neue Anlage für Menschenaffen - wesentlich größer als die das alte Menschenaffenhaus - wird im Mai feierlich eingeweiht und eröffnet.

2014

Nach über 24 Jahren als Wilhelma-Direktor geht Prof. Dr. Dieter Jauch in den Ruhestand. Dr. Thomas Kölpin tritt die Nachfolge an.

Besuchergang im neuen Menschenaffenhaus, eröffnet 2013
Schneeleopardin Kailash mit einem ihrer Jungtiere

2018

Für die Schneeleoparden wird zu Ostern das neue Landschaftsgehege in Betrieb genommen, das vier Mal so groß wie die frühere Anlage. Im Juli stirbt Eisbärin Corinna mit 28 Jahren im hohen Seniorenalter. Mit ihr geht die Eisbärenhaltung in der Wilhelma zu Ende.

2020

Die neue Anlage für asiatische Huftiere wird eröffnet. Hier haben die Trampeltiere Hausyaks als Mitbewohner, die es erstmals in der Wilhelma zu sehen gibt. Die Mesopotamischen Damhirsche beziehen auf der Anlage ein eigenes Gehege.

2021

Die ehemalige Eisbärenanlage mit großen Tauchbecken wird zu einem Landschaftsgehege für eine Gepardin umgestaltet. Die Kater bleiben außer zur Paarung an angestammter Stelle am Belvedere.

2022

Zu Ostern wird der Neubau für besondere Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren eröffnet. Das Haus hinter dem historischen Wintergarten enthält 15 Gehege, Volieren und Schaubeete. Endlich haben hier die Fleischfressenden Pflanzen ein ganzjähriges Domizil im Schaubereich der Gäste. Erstmal in der Wilhelma-Geschichte gibt es Nachwuchs bei den Geparden.