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Historische Gebäude

Die Wilhelma erstreckt sich auf rund 30 Hektar und ist der abschließende Teil einer Parklandschaft in Stuttgart, die von Architekten früherer Könige bereits so angelegt wurde. Diese beinhaltet den gesamten Schlossgarten, ausgehend vom Schlossplatz im Herzen der Stadt, über den Rosensteinpark bis zur Wilhelma. Dieses zusammenhängende Stück Parklandschaft wird mit ergänzenden Anlagen nach seiner Form auch „Grünes U“ genannt.

Den Kern der Wilhelma selbst bildet der alte königliche Park mit historischen Gebäuden im maurischen Stil. Die Gestaltung gab König Wilhelm I. von Württemberg 1837 in Auftrag. Der Bau begann 1842 mit dem Kerngebäude des heutigen Maurischen Landhauses, das 1846 zur Hochzeit von Kronprinz Karl und der Zarentochter Olga eingeweiht wurde. Die Fertigstellung des ursprünglichen Bauensembles mit der Damaszenerhalle im Jahr 1864 erlebte der Monarch allerdings nicht mehr.

In den Garten kamen auch Pflanzensammlungen, die zur Grundlage für einen umfangreichen botanischen Bestand wurden. Erst ab 1949 kamen die ersten Tiere hinzu, womit die Wilhelma zum einzigen zoologisch-botanischen Garten Deutschlands wurde. Die historischen Parkteile stehen in ihrer Gesamtheit als besonders wertvolles, eingetragenes Kulturdenkmal unter Schutz.

Ein älteres Paar steht im historischen Wandelgang mit Blick in den Maurischen Garten.
Ein Brunnen im Maurischen Garten.

Maurischer Stil und italienische Gartenkunst

In der Mitte des 19. Jahrhunderts verband man mit einem orientalischen Garten Vorstellungen von Eleganz, Luxus, Farbenpracht, Verführung und lasziver Erotik. Auch König Wilhelm I. konnte sich dieser Faszination nicht entziehen und entschied sich, seine Prunkbauten im maurischen Stil gestalten zu lassen. Der Begriff leitet sich von den Mauren ab, einer Bevölkerung aus Nordwestafrika. Ihren Höhepunkt hatte die maurische Kunst im 12. bis 15. Jahrhundert in Spanien und Nordafrika. Eines der bedeutendsten Beispiele ist die Alhambra in Granada (Spanien), gebaut 1492. Mit ihren Hufeisenbögen, halbmondgezierten Ecktürmchen und eindrucksvollen Kuppeln wird die Wilhelma manchmal auch als die „Alhambra am Neckar“ bezeichnet.

Während die Gebäude im maurischen Stil gehalten wurden, folgt die Gartenanlage in ihrer Grundidee der traditionellen Gartenkunst Italiens. Belege dafür sind die Gliederung des historischen Parkteils in Haupt- und Nebenachsen sowie die künstliche Terrassierung des Rosensteinhanges. Das Zentrum des inneren Teils bildet der Maurische Garten. Luftaufnahmen machen den streng symmetrischen Aufbau erkennbar. Strukturbildende Elemente sind das zentrale Wasserbecken mit Fontaine, in dem heute die tropischen Seerosen zu sehen sind, und die von ihm wegführende große Freitreppe hoch zum Maurischen Landhaus. Auch die Ausgestaltung mit Wasserspielen, bepflanzten Vasen und Tierskulpturen orientiert sich an der europäischen Kultur.

Ein Blick auf die historische Wilhelma

Die Fliesenwand des Wandelgangs im Maurischen Garten.

Der historische Teil der Wilhelma war so geplant, dass ihr Begründer, König Wilhelm I. von Württemberg, die wichtigsten Bauten in seinem Refugium trockenen Fußes erreichen konnte.

Vom Aussichtspavillon am Neckar, dem heutigen Kassenhäuschen am Haupteingang (das derzeit restauriert wird), gelangte der Monarch über die historischen Gewächshäuser mit dem großen Wintergarten zum überdachten Wandelgang in der Mitte der Anlage. Als langgestrecktes Oval verband er vier Gebäude: An den Längsseiten standen Prunkbauten mit dem Maurischen Landhaus einerseits, einem Wohn- und Badehaus, in dem heute ein kombiniertes Gewächs- und Vogelhaus untergebracht ist, und dem Maurischen Festsaal andererseits. An den Kopfseiten befanden sich das Hofküchengebäude und ein Galeriegebäude.

Auch die beiden seitlichen Treppenaufgängen waren überdacht. Über ihnen thronen Eckpavillons, die 1844 als Aussichtspunkte über den Maurischen Garten entstanden.  Mit seinen Säulen, Deckenverzierungen und Ornamenten ist der Wandelgang eine Zierde für sich – und birgt zudem ein akustisches Phänomen. Erst 2010 entdeckte der Physiker Uwe Laun bei seinem Wilhelma-Besuch, dass es sich bei den Kurven des Wandelgangs um Flüstergalerien handelt. Diese bezeichnen architektonische Räume, in denen sich zwei Personen nahezu im Flüsterton über eine größere Entfernung hinweg unterhalten und trotzdem deutlich verstehen können. Nur sehr wenige Bauwerke der Welt weisen eine solche „Flüstergalerie“ auf. Zu finden ist eine Spielart davon, ein Flüstergewölbe, zum Beispiel in der St. Paul's Cathedral in London.

Im Wandelgang des Maurischen Gartens funktioniert die ungewöhnlich weite Schallübertragung besonders gut in der Kurve zwischen dem Durchlass beim Aquarieneingang und dem Durchlass in Richtung Terra Australis. Das gilt natürlich auch für die Kurve genau gegenüber. Hier können zwei Personen über eine Distanz von ungefähr 30 bis 40 Metern hinweg in normaler Gesprächslautstärke miteinander reden und dennoch jedes Wort verstehen.

Und wie lässt sich das Phänomen physikalisch erklären? Die fachmännische Antwort gibt der Entdecker der Flüstergalerie und Akustik-Experte Uwe Laun: „Durch die gewölbte Form der Galeriegangs können sich die Schallwellen nicht gleichmäßig in der Umgebung verteilen und damit abschwächen. Der größte Teil des Schalls wird stattdessen an der gewölbten Wand der Galerie entlang geleitet und auch mithilfe von Decke und Boden immer wieder so reflektiert, dass er den Gang seitlich nicht verlassen kann. So überwindet der Schall mit geringerem Streuverlust als sonst eine größere Distanz als üblich.“

Blick über den Seerosenteich auf den Maurischen Festsaal.

Das schönste und größte Gebäude der Wilhelma war der Maurische Festsaal, der 1851 als Ort für königliche Feiern, Empfänge und Bälle errichtet wurde. Vergoldete Kronleuchter, prächtige Malereien und aufwendig gemusterte Gitterfenster zierten das zweistöckige Gebäude. Eine gute Vorstellung davon gibt heute noch die Damaszenerhalle in allerdings viel kleineren Dimensionen.

Einer der Höhepunkte gesellschaftlicher Art waren die Stuttgarter Kaisertage im September 1857. König Wilhelm I. hatte den russischen Zar Alexander II. und den französischen Kaiser Napoleon III. zu einem Versöhnungstreffen nach dem Krimkrieg in die Wilhelma eingeladen. Viel später, 1944 erlitt der Maurische Festsaal im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe starke Zerstörungen. 1961 wurden seine stehengebliebenen Außenmauern nach kontroverser Diskussion abgetragen. Heute steht an seiner Stelle das Aquarien- und Terrariengebäude mit der Krokodilhalle in ähnlicher Dimension. Zumindest die Originalfassade des Portals zum Maurischen Garten hin ist erhalten geblieben und hat so den Wandelgang intakt gehalten.

Das Belvedere als Aussichtspunkt über die historische Wilhelma.

Innerhalb der Wilhelma bietet der Aussichtspavillon Belvedere, der an einem Scheitelpunkt liegt, einen weiten Blick in die Umgebung. So gibt es Blickbeziehungen nach Bad Cannstatt, ins Neckartal und zur königlichen Grabkapelle auf dem Rotenberg.

Das Belvedere befindet sich am Rosensteinhang und ist, wie der Name verrät (italienisch: schöne Aussicht), einer der eindrucksvollsten Aussichtspunkte der Wilhelma. Seit dem Jahr 1851 diente es König Wilhelm I. als Standort mit Blick zur Grabkapelle auf dem Württemberg, wo seine Frau Katharina bestattet ist, und in die Weite der schwäbischen Landschaft. Das Belvedere bildet den oberen Abschluss der Subtropenterrassen und auch der gesamten historischen Wilhelma. Der Pavillon ist nicht für Gäste zugänglich. 

Blick auf die Damaszenerhalle im Winter.

Im östlichen Teil der Wilhelma zum Neckar hin befindet sich die Damaszenerhalle, mit deren Bau im Jahr 1864 das historische Bauensemble im Todesjahr von König Wilhelm I. ihre Vollendung fand. Als einziges historisches Gebäude wurde die Damaszenerhalle nicht vom königlichen Architekten Karl Ludwig von Zanth, sondern nach dessen Tod von Professor Wilhelm Bäumer erbaut. Sie diente als prunkvoller Zugang zur früheren Fasanerie. Ihre Gestaltung orientiert sich an den maurischen Stadthäusern, die im 18. Und 19. Jahrhundert in Damaskus enststanden.

Die Damaszenerhalle ist das einzige historische Bauwerk der Wilhelma, das den Krieg unbeschädigt überdauert hat. 1953 bis 1986 wurden in ihr als „Kleinraubtierhaus“ unter anderem Servale, Marder und Ozelots gezeigt.  Aufgrund des Alters und mehrerer Umbauten wurde das Gebäude danach sorgfältig restauriert. Die eingebauten Käfige wurden abgetragen und Vogelvolieren in Gusseisenkonstruktion nach historischem Vorbild errichtet. Die aufwendige innere Wanddekoration konnte erhalten und rekonstruiert werden. 1992 war die Damaszenerhalle dann wieder für Gäste zugänglich.

Ein typischer Teil der alten maurischen Pracht der Wilhelma mit den kostbaren Deckenmalereien, dem Stuckmarmor der Wände und dem Kronleuchter wird hier heute noch sichtbar. Da dieser Pavillon eines besonderen Schutzes bedarf, ist er nur von März bis Oktober während eingeschränkter Öffnungszeiten unter Aufsicht geöffnet: derzeit samstags von 14 bis 16 Uhr.

Die Damaszenerhalle kann auch als Ort für standesamtliche Trauungen genutzt werden. Zuständig ist dafür das Standesamt Bad Cannstatt. Im Außenbereich befinden sich Vogelvolieren mit Arten wie dem Auerhuhn, dem Wiedehopf oder dem Dompfaff.

Blick auf den historischen Pavillon am Haupteingang der Wilhelma.

Der heutige Eingangspavillon stammt aus dem Jahr 1843. Er wurde von Karl Ludwig von Zanth geplant. Sein Auftraggeber, der König, wollte einen überdachten Weg bis zum Wilhelma-Theater, der von einem Pavillon mit Blick auf das Neckartal unterbrochen werden sollte. Wichtig war, dass der Pavillon rund ein Fuß (28 Zentimeter) über dem höchsten Wasserstand des Neckars liegt, um die Gartenanlagen vor Hochwasser zu schützen. Unterhalb des Weges wurde ein 2,30 Meter hoher Gewölbekeller für eine Sommerchampignon-Plantage geplant. Dieser Keller ist heute für Mitarbeiter noch begehbar.

1974 wurde der Pavillon im Rahmen der Erweiterung des Haupteingangs saniert. Unter mehreren Farbschichten kamen dabei überraschend gut erhaltene, klassizistische Wandmalereien mit floralen Mustern, blumenbekränzten Frauenköpfen und musizierenden Putten zum Vorschein. Sie konnten weitgehend wiederhergestellt werden.

Die oberirdische Mauer wiederum, die das Gelände zum Neckartal abschloss, wurde erst 1846 fertiggestellt, und mit Figuren und Tieren bemalt. Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden wurde die Wandseite 1856 mit 112 ornamentierten Terrakottaplatten nach einem Entwurf von Zanth verkleidet. Der Gang reicht vom Eckpavillon am Wilhelma-Parkhaus, dem Bellevue-Tor (1837), bis zum Wilhelma-Theater. Überdacht war er ursprünglich mit einer Gusseisenkonstruktion, welche im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstört wurde.