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Pflanzenvielfalt: Orchideen

Orchideen

Die artenreichen und vielseitigen Orchideen bilden eine der größten Pflanzenfamilien weltweit. Insgesamt werden weltweit rund 25.000 bis 35.000 Orchi­deenarten vermutet, die sich auf etwa 750 bis 900 Gattungen verteilen. Gerade die Blüten machen ihre Einzigartigkeit aus – ihre Formen- und Farbenvielfalt ist unbeschreiblich. Nicht umsonst wurde der Orchidee der Beiname „Königin der Blumen“ gegeben. Bei aller Vielfalt zeigen die Orchideenblüten aber auch Gemeinsamkeiten. Ihre Knospen wachsen zunächst nach oben, drehen sich dann aber mit dem Erblühen um 180 Grad nach unten. Sie sind außerdem symmetrisch aufgebaut: Zöge man eine senkrechte Achse durch ihre Mitte, erhielte man zwei spiegelgleiche Hälften. Die Blüte wird von drei äußeren und drei inneren Blütenblättern geschmückt, von denen das untere innere Blütenblatt als sogenannte Lippe deutlich aus dem Rahmen fällt. Es bildet eine Art Landebahn für anfliegende Bestäuber.

Das Anlocken solcher Bestäuber – meist Insekten – ist der Sinn der Blütenpracht. Und hier entpuppen sich Orchideen als echte Trickbetrüger. Denn hinter der schönen Fassade wartet anders als bei den meisten anderen Blütenpflanzen keine Belohnung in Form von Nektar. Um dennoch besucht zu werden, ahmen Orchideen beispielsweise das Aussehen von nektarreichen anderen Blüten oder gar von Insektenweibchen nach, teils senden sie auch Lockstoffe aus.

Zu finden sind die anpas­sungsfähigen Pflanzen fast überall auf der Welt und in jeder Klimazone. Selbst in Patagonien sowie oberhalb des nördlichen Polarkreises, so­gar im ewigen Eis Grönlands wachsen Orchideen. Nur die Ant­arktis und die Wüsten müssen auf ihre Gegenwart verzichten. Je weiter man sich dem Äquator nähert, umso größer ist die Artenfülle. Gerade in Mittel­- und Südamerika, Südostasien und in Afrika gibt es eine kaum überschaubare Zahl von Or­chideen. Etwas dünner wird es in den nördlichen Klimazonen, die von Europa über Sibirien bis nach Kanada und Alaska mit über 1.000 Spezies aufwarten können. Allein 250 Arten sind in Europa heimisch, wovon mit etwas Glück 65 Arten auch in Deutschland zu finden sind.

Trotz ihrer großen Artenvielfalt welt­weit sind die Lebensräume der einzelnen Orchideen aber meist sehr begrenzt. Jede Art hat ihre ganz eigene Überlebens­strategie entwickelt. So lassen sich die Orchideen grob in drei Gruppen einteilen: die epiphytischen Orchideen (Epiphyt = Aufsitzer), die terrestrisch wachsenden (terra = Erde) und die lithophytischen Arten (= auf Felsen wachsend). Die epiphytisch lebenden Orchideen wurden von anderen Pflanzen, die auf dem Weg zum Licht schneller wuchsen, am Boden verdrängt. Wie alle Epiphyten haben es sich diese Or­chideen deshalb in den Astgabeln tropischer Bäume gemüt­lich gemacht und sich an dieses Leben rundum angepasst. Da sie sich hauptsächlich von organischen Ablagerungen und Niederschlägen ernähren, haben sie Luftwurzeln ausgebildet. Diese nehmen wie ein Schwamm die Feuchtigkeit aus der Um­gebung auf, speichern sie und geben sie bei Bedarf an die Pflanze ab. Zudem übernehmen die Luftwurzeln oftmals die Funktion der Blätter. Diese kann die Orchidee also einsparen, sodass sie nur aus Wurzeln und Blüten besteht. Terrestrische Orchideen dagegen, wie unser heimischer Frauenschuh und das Knabenkraut, sind nicht in Bäumen zu finden. Sie sind bodenständig geblieben und teilen sich Was­ser und Nährstoffe mit anderen bodenlebenden Pflanzen. Lithophytische Orchideen wiederum, die auf Felsen wachsen, sind hier natürlich eben­falls auf Niederschläge und organisches Material angewiesen.

Orchideen - Orchidaceae

Familie:
Orchideengewächse (Orchidaceae)
Heimat:
Heimat: weltweit verbreitet (mit Ausnahme von Antarktis und Wüsten)
Blütezeit:
abhängig von Art und Sorte, in der Schau sind immer ausgewählte Orchideen zu ihrer Blütezeit zu sehen
Lebensraum:
unterschiedlichste Lebensräume, von Regenwäldern bis Hochgebirge, von Halbwüsten bis Mooren
Besonderheit:
Die winzigen Samen enthalten keine eigenen Nährstoffe und können ohne fremde Hilfe nicht keimen – für ihre Ernährung benötigen sie spezielle Pilze.
Nutzung:
vorwiegend als Zierpflanze, in der Parfum- und Kosmetikherstellung

Hier wachse ich

Orchideenblüten im historischen Gewächshaus

Historische Gewächshauszeile

Die Historische Gewächshauszeile zeigt die vielfältige Flora und Fauna unseres Planeten in zahlreichen Facetten: Tropische Orchideen, dornige Kakteen, australische Vögel und filigrane Blüten warten unter den historischen Dächern und Kuppeln aus Glas und Gusseisen. Im angrenzenden Neubau geht es in die Welt der Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren.