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Historische Gewächshauszeile

Historische Gewächshauszeile

Gusseisen und Pflanzen: Eine Kombination, die im 19. Jahrhundert vor allem in England viele Anhänger gefunden hatte und noch heute fasziniert. Auch König Wilhelm I. von Württemberg war begeistert von viktorianischen Farnhäusern und veranlasste, solche in der Wilhelma zu errichten. Er holte das für den Eisenguss-Gewächshausbau erforderliche Fachwissen nach Württemberg und gründete die Hüttenwerke in Wasseralfingen. Bereits zum Baubeginn der Gesamtanlage 1842 entstanden die ersten Gewächshäuser dieser Art angrenzend an das „Badhaus“, das spätere Wohnhaus - heute unser Maurisches Landhaus.

Die Gewächshausflächen wurden nach und nach erweitert und 1854 mit dem Bau der Gewächshauszeile, die heute von Haupteingang zum Wandelgang führt, abgeschlossen. Besucherinnen und Besucher können sich hier in die Zeit Wilhelms I. zurückversetzen lassen und den Charme des historischen Wintergartens genießen, der seit 150 Jahren nach demselben Konzept gestaltet wird - oder in unseren Dauerausstellungen und Wechselschauen neue und alte Pflanzenarten kennenlernen.

Auf einen Blick:

Tierarten:
tropische Vögel, australische Vögel, Fische, kleine Säugetierarten
Pflanzenarten:
Sukkulenten, Bromelien, Orchideen, Palmen, Insektivoren, wechselnde Blütenpflanzen, Nektarpflanzen
Wissenswertes:
2019 wurden die beiden Vogelhäuser saniert. Die Eisenguss-Konstruktion basiert auf einem Baukastenprinzip, das ohne Schrauben nur mit Zapfen und Verspannungen auskommt. Sie musste komplett zerlegt, von einer Fachfirma in der Werkstatt restauriert und Stück für Stück wieder zusammengesetzt werden. Dieses 3D-Puzzle bestand pro Haus aus 1244 Einzelscheiben aus vier Millimeter dickem Kathedralglas.

Kakteen- und Sukkulentenhaus

Kugelförmig und imposant präsentieren sich die Goldkugelkakteen vor der historischen Kulisse des ersten Eisenguss-Gewächshauses, das der Wilhelma-Gast vom Haupteingang kommend betritt. Das Kakteen- und Sukkulentenhaus beherbergt Pflanzen aus Amerika, Afrika und Madagaskar in beeindruckender Vielfalt.

Ob rund, flach oder spitz, die sukkulenten Pflanzen haben eines gemeinsam: Sie können in ihren Geweben größere Mengen Wasser speichern und dadurch ungünstige Lebensbedingungen wie langanhaltende Trockenzeiten überstehen. Die bekanntesten Sukkulenten sind die Kakteen (Cactaceae) Amerikas.

Tropische Vögel

Neben einer beeindruckenden Flora hält die historische Gewächshauszeile auch tierische Überraschungen für die Besucherinnen und Besucher bereit. In zwei Kuppelgewächshäusern zwischen den länglichen Gewächshäusern der Zeile leben tropische und australische Vögel. Den Anfang machen die tropischen Vögel mit fünf verschiedenen Vogelarten aus Süd- und Mittelamerika.

Namen wie Veilchenorganist, Rotfüßiger Honigsauger oder Azurkopftangare versprechen nicht nur eine bunte optische Vielfalt, auch der Klang der verschiedenen Vogelarten schafft eine besondere Atmosphäre. Die Bepflanzung darin zeigt Ausschnitte eines südamerikanischen Tropenwalds.

Warmhaus

Mit vielfältigen Farben, Formen und Düfte verbreiten die Pflanzen in den historischen Gewächshäusern eine exotische Atmosphäre. Einen Einblick in die Schönheit und Fülle tropischer Wuchs- und Lebensformen bietet das Warmhaus. Das ganze Jahr über entfalten die Orchideen aus derwissenschaflten Sammlung ihre Blütenpracht in zwei Schauvitrinen. Über 1500 Arten und Sorten kultiviert die Wilhelma. Weil Orchideen zudem häufig nur sehr kurze Zeit blühen, werden die Vitrinen regelmäßig umgestaltet mit jeweils rund 100 der aktuell schönsten Exemplare.

Zwischen Fensterblatt, Passionsblumen und Tillandsien werden hier zudem verschiedene Bromelien ausgestellt. Deren Wilhelma-Sammlung wurde bereits im 19. Jahrhundert begonnen und beinhaltet etwa 600 Arten und Sorten.

Wintergarten

Mitten in der Zeile höfischer Glashäuser, die den Haupteingang mit dem Maurischen Garten verbindet, thront der Wintergarten. Die Bepflanzung ist an historische Darstellungen angelehnt und vermittelt einen Eindruck von der Pracht vergangener Jahrhunderte. Wie ein grüner Teppich wächst der Feingliedrige Moosfarn rasenartig auf dem Mittelbeet. Die darin eingebetteten Pflanzeninseln und die Pflanzflächen am Rand, die nach Kontinenten unterteilt sind, durchbrechen das vorherrschende Grün mit ihren bunt blühenden Gewächsen. Palmen und riesige Essbananen-Stauden sorgen für das historisch gewollte, tropische Flair.

Im Frühjahr wird hier zudem die Sonderschau der Zitrusfrüchte gezeigt, im Herbst sind zahlreiche Chilisorten zu sehen, im Advent halten unzählige Weihnachtssterne Einzug.

Kleinsäuger-, Vogel- und Insektivorenhaus

Wie ein Geheimtipp präsentiert sich das Kleinsäuger-, Vogel- und Insektivorenhaus neben dem historischen Wintergarten. Nicht nur die besonderen Tierarten sind hier einen näheren Blick wert. Unterteilt ist der zu Ostern 2022 neu eröffnete Bau botanisch in zwei Bereiche: den tropischen Regenwald auf der linken und die trockene Savannenlandschaft auf der rechten Seite. Wie in Ausschnitten der Natur werden verschiedene Tierarten zwischen Gräsern, Sträuchern und Bäumen gezeigt, die aus den jeweiligen Heimatregionen stammen. So kommt die gesamte Artenvielfalt eines Zoologisch-Botanischen Gartens passend zur Geltung. Kannenpflanzen, Sonnentau und Venusfliegenfallen geben einen Einblick in die Welt der fleischfressenden Pflanzen, sogenannter Insektivoren. Eine Kombination aus Massivbauweise und luftigheller Gewächshaus-Konstruktion schafft es, die verschiedensten Bedürfnisse an den jeweiligen Lebensraum unter einem Dach zu erfüllen.

Azaleen- und Wechselschauhaus

Das erste Wechselschauhaus zeigt unter anderem die faszinierende Vielfalt der historischen Azaleensammlung, die von Oktober bis Mai hier ihren Platz hat. Durch die Mitgliedschaft in der Genbank Rhododendron können teilweise über 150 Jahre alte Azaleensorten erhalten werden.

Im Sommer von Mitte Mai bis September werden im Wechsel verschiedene Sonderschauen gezeigt: Afrikanische Landschaften vom Landesinneren bis zur Küste geben einen Einblick in die vielen Klima- und Vegetationszonen des Kontinents. Bei der Australienschau geht es vom tropischen Regenwald über den trockenen Eukalyptuswald bis zur Australischen Heide und den Sanddünen. Die Schau „Leben auf dem 34. Breitengrad“ beschäftigt sich mit dem sogenannten Mittelmeerklima, das rund um den Globus anzutreffen ist.

Australische Vögel

Im zweiten der Kuppelgewächshäuser leben die australischen Vögel. Sieben verschiedene Vogelarten können Besucherinnen und Besucher hier in der achteckig geformten, gusseisernen Voliere entdecken. Darunter befinden sich Gouldamadine, Zebrafinken und Diamattäubchen.

Bereits König Wilhelm I. ließ in einem dieser beiden Kuppelhäuser Volieren für tropische Vögel einrichten. Die allerersten Tiere der Wilhelma dürften wohl Geschenke der Frau des württembergischen Konsuls in Amsterdam, Emil von Kirdelen, gewesen sein. Per Königlichem Dekret veranlasste Wilhelm 1854 die Anschaffung von Papageienständern und größeren Käfige für die aus den Niederlanden angekommenen Vögel. Welche Arten dies waren, bleibt allerdings im Dunkeln.

Voliere in der Historischen Gewächshauszeile

Kamelien- und Fuchsien-Haus

Im zweiten Wechselschauhaus folgen Kamelien und Fuchsien zeitlich aufeinander. In den Wintermonaten tauchen die etwa 100 Arten und Sorten der Kamelien mit ihren großen und ebenmäßigen Blüten das Gewächshaus in Weiß und Rosarot. Ende Januar und im Februar, wenn die heimische Vegetation noch weniger farbenreich ist, lohnt ein Besuch dieser fernöstlichen Schönheiten, die dann in voller Blüte stehen.

Im Sommer ziehen die filigranen Fuchsien in das Haus ein. Die hängenden Blütenglöckchen sind ein Ergebnis von Züchtungen. Der Vergleich mit Wildformen dieser Prachtblumen verdeutlichen die breite Vielfalt der 10.000 Züchtungen, die sich über die Jahre entwickelt hat. Rund 260 Arten und Sorten dieser beliebten Garten- und Balkonpflanze sind von Mai bis September zu bewundern.

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