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Maurischer Garten und Maurisches Landhaus

Maurischer Garten und Maurisches Landhaus

Als Badhaus geplant, als Wohnhaus mit Gewächshäusern umgesetzt – das Maurische Landhaus hat nicht nur eine bewegte Entstehungsgeschichte, sondern auch eine vielgestaltige Optik. Nach der Entdeckung einer Mineralquelle im Park von Schloss Rosenstein im Jahr 1829 beschloss König Wilhelm I. von Württemberg den Bau eines Badhauses. Die besonderen Vorstellungen des Königs setzte Architekt Karl-Ludwig von Zanth im sogenannten Maurischen Stil in die Tat um. Während der Planung änderten sich jedoch die Bedürfnisse des Bauherrn und das Badhaus wurde 1846 als Wohnhaus umgesetzt. Die gusseiserne Konstruktion der Gewächshäuser an den jeweiligen Enden vervollständigen den orientalischen Eindruck des Gebäudes.

Die exotische Pflanzenpracht, die schon den König begeisterte, ziert nicht nur die Innenräume des heutigen Gewächs- und Vogelhauses. Man findet sie auch in der traditionellen Gartenkunst der nach italienischem Muster gestalteten historischen Parkanlage wieder. Als ein Vorbild soll die Alhambra im spanischen Granada gedient haben, weshalb die Anlage auch manchmal die "Alhambra am Neckar" genannt wird.

Auf einen Blick:

Tierarten:
tropische Singvögel von Balistar bis Schamadrossel
Pflanzenarten:
Sukkulenten, tropische Nutzpflanzen, tropische Farne und Baumfarne, Seerosen, Magnolien, Eiben, Pfingstrosen, Wechselflor
Wissenswertes:
Das Landhaus wurde während der Luftangriffe 1944 weitgehend zerstört. Nur die Fassade konnte restauriert werden. Weil die ursprüngliche Kuppel dem Krieg zum Opfer fiel, bekam das Haus ein neues Glasdach und dient seitdem als Warmhaus für tropische Pflanzen und Vögel. Im Untergeschoss befand sich von 1962 bis 2014 die erste Nachttierabteilung Europas.

Kakteenkuppel

Die Außenfassaden der seitlichen Gewächshäuser zieren historische, gusseiserne Fronten mit kreisrunden maurischen und orientalischen Formen. Im Inneren des südöstlichen Gewächshauses, einem Bau mit Kuppeldach, sind vorwiegend Pflanzen ausgestellt, die aus der amerikanischen aubtropischen Sonora-Halbwüste stammen. Dieses erdgeschichtlich sehr alte Pflanzengebiet zeigt eine große Vielfalt an Kakteen und wird deshalb auch als Kakteenwüste bezeichnet.

Am eindrucksvollsten sind sicherlich die großen Säulenkakteen. Zu den bekannten Vertretern gehören Agaven, die Jojoba-Pflanze und der Elefantenfuß, der zudem eine beliebte Zimmerpflanze ist.

Einblick in das Kakteenkuppelhaus

Tropische Nutzpflanzen

Ob in der Küche oder im Kleiderschrank - tropische Nutzpflanzen sind heute im Alltag kaum wegzudenken. Wie bekannte Obstsorten und Gewürze in heranwachsen, kann man im Gewächshaus zwischen Kakteenkuppel und Maurischem Landhaus entdecken.

Genussmittelpflanzen wie Kaffee, Tee oder Kakao werden neben Faserpflanzen wie der Baumwolle oder Sisalagave gezeigt. Die Vanille ist für ihren feinen Geschmack und süßlichen Duft bekannt ist, Muskat, Pfeffer und Chili finden wiederum runden herzhafte Gerichte ab. Regelmäßig tragen außerdem Obstbäume wie Banane, Mango oder der Jackfruchtbaum eindrucksvolle Früchte.

Eine Bananenstaude im Nutzpflanzenhaus

Asiatische Vögel

Im zentralen Saal des Landhauses lassen bis heute erhaltene, filigrane Fensterbögen die damalige Pracht erahnen. In diesen historischen Mauern entführen eine üppige Vegetation und melodische Vogelstimmen in die Regenwälder Südostasiens. Stimmen, die in ihrer Heimat bald verklingen könnten. Denn viele seltene Vogelarten werden eingefangen, um bei Wettbewerben mit ihren Gesängen zu glänzen. Zwei der besonders betroffenen Arten sind hier zu sehen: Die Schamadrossel wird als Art mit dem schönsten Gesang gehandelt und stark als Käfigvogel nachgefragt. Akut vom Aussterben bedroht ist der Balistar, der nur auf der indonesischen Insel Bali vorkommt. Die Population war nie groß und brach weiter ein, als die Vögel als Statussymbol entdeckt wurden. Heute werden im ursprünglichen Verbreitungsgebiet nicht mal mehr 50 Exemplare vermutet.

Balistar im Landhaus

Tropische Farne

An den großen Saal grenzt unter einer gusseisernen Konstruktion das Schauhaus für tropische Farne an. Als Baustoff war das Eisen zur Zeiten König Wilhelms I. noch recht neu und zudem kostspielig. Inspiriert von den viktorianischen Farnhäusern, ließ der Monarch dennoch seinen Architekten Ludwig von Zanth nach England reisen, um die Bauten direkt vor Ort zu studieren. Hergestellt wurden die Fassaden in Baden-Württemberg. Heute präsentieren sich hier Farne in allen Blattfarben und Formen, von kleinen Schwimmfarnen über feine Frauenhaarfarnebis hin zum beeindruckenden Bootfarn. Daneben gedeihen hier auch Palmfarne, die baumförmige Stämme ausbilden. Trotz ihres Namens sind sie weder Palmen noch Farne, sondern gehören zu den Nacktsamern. Auch wenn sie evolutiv den Farnen nahestehen, sind sie näher mit dem Gingko und den Koniferen verwandt.

Einblick in die Welt der tropischen Farne

Farnkuppelhaus

Der Kuppelbau am nordöstlichen Ende des Maurischen Landhauses beherbergt die riesigen Baumfarne, die kühlere Temperaturen bevorzugen. Mit ihren ausladenden, filigranen Blättern bilden sie eine harmonische Einheit mit der historischen Gusseisenkonstruktion. Die Baumfarne waren typischer Bestandteil und oft erklärtes Highlight von viktorianischen Farnhäusern. Hier bekommt man einen Eindruck, wie das Gewächshaus bereits zu König Wilhelms Zeiten ausgesehen haben könnte. Mehrere Meter hoch erstrecken sich die unterschiedlichen Arten mit ihren verschiedenen Grüntönen bis an die Innenseite der gläsernen Kuppel. Als lebendes Fossil wächst hier auch eine besondere Kostbarkeit, die Wollemi-Kiefer, deren Spur sich etwa 90 Millionen Jahre zurückverfolgen lässt Erst 1994 wurde sie in einem abgelegenen Tal Australiens wiederentdeckt.

Blick in das Farnkuppelhaus

Magnolienhain

Der größte Magnolienhain Europas nördlich der Alpen befindet sich im Maurischen Garten und umfasst etwa 70 Bäume. Zur Blütezeit im Frühjahr versinkt der Garten in ein Meer aus tausenden Magnolienblüten Noch ein gutes Dutzend alter Magnolien aus der Zeit von König Wilhelm I. schmücken den Garten. Zu erkennen sind diese historischen Bäume an ihrer eigenwilligen Form: Die Äste neigen bis auf den Boden und stützen sich dort quasi ab. Einen schönen Kontrast zu den rosafarbigen Blüten bildet das satte Dunkelgrün der Eiben. Durch den Schnitt haben sie eine kompakte Säulenform bekommen. Auch die Eiben sind schon von den Angestellten des Königs angepflanzt  worden - genauso wie die Strauchpfingstrosen am oberen Rand des Magnolienhains. Sie machen das Bild komplett und diesen Ort im Frühjahr für die Besucherinnen und Besucher zu einem unvergleichlichen Erlebnis.

Magnolien vor dem Maurischen Landhaus

Seerosenbecken

Seit 1956 ist das Becken im Zentrum des Maurischen Gartens Heimat für die tropischen Seerosen. Es hat eine Fläche von 650 Quadratmetern, ist rund 1,20 Meter tief und wird im Sommer auf 28 - 30°C beheizt. Gepflanzt werden die Wasserpflanzen je nach Witterung Mitte bis Ende Mai. Bis Oktober sind etwa 40 der schönsten Arten und Sorten zu sehen. Die verschiedenen Seerosen öffnen ihre Blüten immer während einer bestimmten Tageszeit, so dass das Becken im Tagesverlauf stets neue Blüten- und Farbkompositionen aufweist. Beeindruckend sind die nach Queen Victoria von England benannten Riesenseerosen Victoria amazonica mit ihren wagenradgroßen Schwimmblättern. Samen einer solchen Pflanze überbrachte ein Landpfarrer 1851 König Wilhelm I. als Geschenk, womit die Seerosenhaltung in der Wilhelma ihren Anfang nahm.

Seerosenbecken vor dem Maurischen Landhaus

Wer wohnt hier?

Was wächst hier?